Die Blaumeisen sind zurück!

Bei Nortex und auf der Norla: Schülerinnen präsentieren blau-weiß-rote Lebensart

Hanerau-Hademarschen. Form, Schnitt und Konfektionsgröße haben sich durch die Jahrzehnte geändert – der Auftrag und das Auftreten der Blaumeisen nicht: Seit 1964 präsentieren die Schülerinnen der Fachschule für Hauswirtschaft im ländlichen Raum Delikatessen und Lebensart aus Schleswig-Holstein für den Rest der Welt.


Auf der Genussmesse „Grüne Woche“ in Berlin waren die Blaumeisen seit Jahrzehnten das Aushängeschild für Gutes und Leckeres zwischen Nord- und Ostsee. Seit 2007 versorgten sie auch die Gäste der „Norla“-Messe für Landwirtschaft. Doch beide Aufgaben fielen weg – Fans und ehemalige Schülerinnen bangen seither um die Zukunft der traditionsreichen Gruppe.


Das ist vorbei: Die Blaumeisen präsentieren mit Fachlehrerin Dorthe Reimers am 10. Mai bei Nortex Appetithäppchen regionaler Spezialitäten – und nehmen die Kunden mit auf eine ganz besondere Zeitreise: Sie zeigen im Original, wie sich die Blaumeisen-Kostüme vom ersten Schuljahrgang 1948/1949 bis heute verändert haben. Ein Bericht auf www.nortex.de wird dazu im Anschluss informieren. Und auf der „Norla“ stellen die jungen Frauen im September erstmals das Blaumeisencafé „Das Zwitscherstübchen“ auf die Beine: Die Tradition lebt weiter!

Dorthe Reimers ist
Fachlehrerin am BBZ. Foto: BBZ

Dorthe Reimers (30) kommt am Freitag, 10. Mai, mit einer Gruppe Blaumeisen zu Nortex. Sie ist Fachlehrerin und Klassenlehrerin jener Schülerinnen der Hauswirtschaftsschule für den ländlichen Raum, die seit Jahrzehnten Spezialitäten aus dem Norden auf essen und Ausstellungen präsentieren. Auch sie trug das blaue Kostüm, das für den Namen sorgte.

Frau Reimers, wann entstanden die Blaumeisen und was ist ihre Funktion?

Dorthe Reimers: Anfang der 1960er Jahre suchte das Land Schleswig-Holstein gemeinsam mit dem Bauernverband eine Möglichkeit, unser Bundesland und die kulinarischen Spezialitäten der Agrarwirtschaft auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin zu vertreten. So wurde es zur Tradition, dass die Oberstufe unserer Fachschule sich jedes Jahr im Januar auf den Weg nach Berlin machte. Die Schülerinnen waren geschult, die Kulinarik und das schleswig-holsteinische Lebensgefühl zu vermitteln. Von Kieler Sprotten über Kohlrouladen, Krabbensuppe und Marmelade bis hin zum Schnaps war alles dabei. Finanziert wurde das mit der „Schinkenlotterie“, bei der es einen Katenschinken aus Schleswig-Holstein zu gewinnen gab.

Wie kam es zu dem Namen?

„Der Berliner und seine lose Schnauze“, könnte
man sagen. Aber so leicht ist es nicht. In der Länderhalle stellten sich alle Bundesländer mit dazugehöriger Arbeitskleidung vor. Die aus Mecklenburg-Vorpommern etwa waren immer in Grün gekleidet. Weil dem Berliner das Aussprechen des Bundeslandes zu lange dauerte, wurde salopp gesagt: „Wir treffen uns bei den grünen Finken“. Unsere Schülerinnen flogen nach Berlin und hatten ein blaues Kostüm an… ganz klar Blaumeisen! Auch wenn so mancher munkelt, es hätte auch am guten Schnaps liegen können. Aus anfänglicher Frotzelei wurde somit ein „geflügeltes Wort“ und wir zur Blaumeisenschule.

Wie kam es denn zur Auflösung?

Die Blaumeisen sind traditionell unsere Oberstufe und sind daher nie wirklich weg gewesen. Lediglich die Tätigkeit auf der Grünen Woche wurde 2010 eingestellt. Eine Verlängerung scheiterte an der Finanzierung. Ab 2007 waren die Blaumeisen zusätzlich auf der Norla aktiv und brachten mit ihrer Erfahrung Flair in den Bauerntreff auf der Messe in Rendsburg. Doch auch diese Zusammenarbeit lief 2017 aus.

Gab es Reaktionen von außerhalb?

Die Reaktionen, nicht nur von Schülerinnen, waren riesig. Dieses einmalige Wir-Gefühl und die Möglichkeit, einmal zehn Tage in Berlin zu arbeiten und theoretisch Gelerntes in die selbst geplante Praxis umzusetzen, durfte man nicht so einfach streichen. Eine unwiederbringliche Erfahrung und Identifikation mit der Schule und dem Bundesland wurde genommen. Das stieß auf viel Protest und Unverständnis. Es wurde sogar angenommen, die Schule würde deswegen geschlossen.

Wird es nun einen Neustart geben?

Nicht zuletzt wegen des guten Netzwerks unserer ehemaligen Schülerinnen wird es auf der Norla ab 2019 wieder Blaumeisen geben. Wir betreiben zum ersten mal völlig eigenverantwortlich als Schule ein Café. Von A bis Z in Schülerhand wird es wieder das Blaumeisengefühl geben. Wir laden alle herzlich ein, uns vom 5. bis 8. September auf der Messe zu besuchen: Es wird eine große Auswahl an Kuchen, Snacks und Hofladenprodukten geben. Wo sie uns finden? Im Blaumeisencafé „Das Zwitscherstübchen“.

Was bieten Sie den Nortex-Kunden?

Wir präsentieren unsere Schule. Außerdem stellen wir die Geschichte des Blaumeisenkostüms aus: Mode der letzten 60 Jahre. Denn die Blaumeisen sahen immer mal wieder anders aus und passten ihr „Gefieder“ an. Außerdem gibt es für die ersten Gäste den puren Geschmack Schleswig-Holsteins auf den Löffel!

Welche Bedeutung haben die Blaumeisen für Sie?

Mein halbes Leben habe ich bereits an dieser einzigartigen Schule verbracht: Meine Ausbildung, mein Auslandsjahr, meine berufliche Zukunft als Hauswirtschaftliche Betriebsleiterin. Ich verbinde damit erste durchgetanzte Nächte, meine Neugier auf Menschen und die Erfahrung, drei Mal als Blaumeise nach Berlin zu reisen. Das verdanke ich den Menschen dieser Schule. Nun habe ich als Lehrerin die Möglichkeit, einen Teil dieser Erfahrungen künftigen Generationen zurückzugeben.

Foto: BBZ
Mehr als Schülerinnen für Hauswirtschaft: Die Blaumeisen, hier vor der Schule in Hanerau-Hademarschen, sind zugleich auch Botschafterinnen für Schleswig-Holstein.

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