Zweisprachig ins Leben starten

In Neumünster entsteht derzeit die erste bilinguale Kita der Stadt – in der Villa eines früheren Tuchfabrikanten
Neumünster. Freie Plätze in Kindergärten sind in Neumünster rar gesät. Da kommt das Angebot einer neuen Kita der Stadt gelegen: Ab Ende der kommenden Sommerferien 2021 sollen bis zu 50 Kinder in der „Teddy Bear Day Care“ betreut werden. Das Besondere dabei:  die Jungen und Mädchen ab neun Monaten und bis zum Schulalter werden gleichzeitig in deutscher und englischer Sprache gefördert – und können, je nach Bedarf der Familie, von frühmorgens bis in den späten Nachmittag in der Einrichtung spielen und lernen.
Auf das Ziel, diese in Neumünster einzigartige Betreuungsform anzubieten, arbeiten zwei Frauen mit Elan, Fachwissen und Umsicht hin: Die Neumünsteraner Juristin Irma Kilic hat das Konzept erstellt und wird künftig als Geschäftsführerin die Kita verantwortlich leiten, Bauunternehmerin Claudia Büsgen aus Kiel ist Eigentümerin der Immobilie an der Bahnhofstraße 40 und zuständig für die architektonische Umsetzung.

Mit zwei Sprachen hin zu mehr Toleranz

Das Konzept sieht vor, Akzeptanz, Respekt und Toleranz zu vermitteln. Dazu schlägt die „Teddy Bear Day Care“ einen besonderen Weg ein: „Mittels eines hochwertigen zweisprachigen Angebots soll die kulturelle Vielfalt, die uns umgibt, für die Kinder erlebbar gemacht werden“, erläutert Kilic. Die Überlegung: Wer mit mehreren Sprachen aufwächst und die Eigenheiten anderer Kulturen kennenlernt, dessen Horizont erweitert sich spürbar. „Die Kinder werden es dadurch später einfacher haben, Toleranz zu üben und sich in einer pluralistischen, internationalisierten Welt zurecht zu finden“, hofft sie. Derzeit wirbt sie geeignetes Fachpersonal an, teils direkt aus England: Kontakte nach London sind bereits geknüpft.

Blick auf den Erker zur Straßenseite – mit schönen, bunt gefärbten Glasfenstern. Foto: Nortex

Das Projekt verspricht, neben der außergewöhnlichen pädagogischen Leitlinie, auch baulich eine Besonderheit zu werden. „Es ist ein altes Haus mit Ecken und Kanten – aber gerade das macht seinen Charme aus“, sagt Büsgen, die das Gebäude in Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz sanieren lässt.

Stuck verziert die Räume: Der Charme der Gründerzeit ist in der früheren Tuchfabrikanten-Villa noch zu spüren. Foto: Nortex

Fast vier Meter hoch sind die Decken der 1896 erbauten Jugendstil-Villa, in der einst der Tuchfabrikant Heinrich Wittorf mit seiner Familie lebte. Wände und Decken sind verziert mit verschnörkeltem Stuck; im ersten Stockwerk erweitert ein kleiner Erker die Fensterfront, durch seine bunten Glasscheiben fällt das Sonnenlicht in den Raum – bis heute klingt ein stilvolles, auch bedächtiges Ambiente aus dieser Ära in dem Haus nach.

Das Kronjuwel ist die Bibliothek

Nebenan ist das Zimmer brusthoch mit Holz getäfelt. „Das ist das Kronjuwel, denn hier wird unsere bilinguale Bibliothek entstehen!“, erläutert Kilic. Es lässt sich gut vorstellen, dass hier künftig die kleine Raupe Nimmersatt von Eric Carle auf deutsch und englisch vorgelesen wird – die Jungen und Mädchen lauschend auf Sitzpolstern und kuscheligen Kissen, umgeben von Büchern. „Die Kinder lernen dabei auch gleich den respektvollen Umgang mit Büchern“, sagt die Mutter zweier Kinder mit einem Schmunzeln.

Das „Kronjuwel“: In der mehrsprachigen Bibliothek werden die Kinder spielerisch an Bücher in deutscher und englischer Sprache herangeführt. Foto: Nortex

Drei Gruppen werden in dem Haus Platz finden: Im Erdgeschoss gibt es eine Krippengruppe für zehn Kinder, in den zwei Stockwerken darüber jeweils eine Elementargruppe mit 20 Plätzen. Insgesamt steht dafür mit 550 Quadratmetern reichlich Platz im Haus zur Verfügung, das Außengelände mit Innenhof und grüner Spielwiese hat eine Fläche von 1600 Quadratmetern. Um die Teilhabe aller zu gewährleisten, wird ein Fahrstuhl installiert.

„Vielfalt zählt!“

„Es gibt hier nur Vorteile“, sagt der Neumünsteraner Stadtrat Carsten Hillgruber bei einer Besichtigung vor Ort: den bilingualen Ansatz, die Lage und geplante Ausstattung der künftigen Einrichtung lobt er – und freut sich darauf, das Projekt gemeinsam mit den Betreibern zu verwirklichen.

Der Standort an der Bahnhofstraße: Die Lage ist laut Stadtrat Carsten Hillgruber gut für das Projekt geeignet. Foto: Nortex

Kilic wünscht sich möglichst unterschiedliche Familien in der Kita – und denkt dabei an mehr oder minder direkte Nachbarn aus dem Stadtteil, ebenso an Menschen mit einer weiteren Muttersprache. „Das Ziel ist eine gesunde Mischung – Vielfalt zählt!“, das ist ihre Devise. Willkommen sind auch Kinder, deren Eltern täglich zur Arbeit pendeln müssen und deshalb auf lange Öffnungszeiten der Kita angewiesen sind.

Alleinerziehende werden unterstützt

Die neue entstehende Kita soll täglich bis zu zwölf Stunden lang geöffnet sein. „Die Idee ist, eine Rundum-Betreuung und -Förderung unter einem Dach anzubieten, in Kooperation mit Musikschulen, Sportvereinen und anderen Anbietern“, so Kilic. „Das ist für Kinder und Eltern ein riesengroßer Vorteil – die brauchen dann nicht mehr so zu hetzen, um ihr Kind abzuholen und in die nächste Betreuung zu geben.“

Das Logo der Teddy Bear Day Care-Kita.

Büsgen und Kilic kennen die Situation alleinerziehender Mütter aus eigener Erfahrung, beide beschreiben diese Zeit als extrem schwierige Lebensphase. Nun engagieren sie sich, um Eltern in dem Spagat zwischen Kind und Beruf zu unterstützen. Und trotz des besonderen Angebots gilt: „Ein Platz in der „Teddy Bear Day Care“-Kita wird keinen Cent mehr kosten als in den anderen kommunalen Kindergärten in Neumünster“, verspricht Kilic.