Stirbt die Krawatte aus?

Das Herrenmode-Accessoire wird seltener getragen – im Büro. Doch bei Anlässen sieht es anders aus

Neumünster. Es gibt sie aus feiner Seide oder Baumwolle, gemustert oder uni, extralang oder breit: Die Rede ist von der Krawatte. Glaubt man, was manche Zeitschriften berichten, geht es dem Mode-Accessoire am Männerhals nicht gut: Demnach werden immer seltener Krawatten getragen, vor allem im Berufsleben. Der strenge Dress-Code – hat er sich so sehr verändert, dass nun der „Schlips“ aus unserem Kleiderschrank zu verschwinden droht?

Die Krawatte als modische Botschaft

Das wohl eher nicht, meint Dirk Dellweg, Abteilungsleiter und Einkäufer in der Herrenmode bei Nortex. Zwar werde die Krawatte im Büro tatsächlich seltener getragen, doch in bestimmten Bereichen wie der Politik oder dem Finanzsektor gelte das nicht oder kaum, dort sei die Krawatte teils noch immer Pflicht – und biete über die Auswahl von Farbe und Dessin die Möglichkeit, ein modisches Statement zum eigenen Stil zu machen. Und auch, wenn die Zeit der Büro-Krawatte tatsächlich einmal unwiderruflich vorüber sein sollte: „Die Krawatte als Modeaccessoire kommt sicherlich wieder“, ist sich der Experte sicher.

Vielfalt an Farben, Formen, Dessins: Nortex-Abteilungsleiter und Einkäufer Dirk Dellweg führt mehrere Tausend Modelle im Krawatten-Sortiment des Modehauses. Foto: Nortex

Bei Nortex nähern sich die Verkaufszahlen – nach dem Tiefpunkt im Jahr 2021 aufgrund der Pandemie – inzwischen wieder der Zeit vor Corona an. Im Modehaus stehen ständig rund 6000 Krawatten zur Auswahl. Die Vielfalt ist schon rein optisch gut sichtbar; in einem eigenen Bereich der Herrenmode werden die Modelle sowie Fliegen in den verschiedensten Dessins, Farben und Formen ansprechend präsentiert.

Eine wichtige Rolle kommt der Krawatte nach wie vor bei besonders feierlichen Momenten im Leben zu: „Bei Anlässen wie Hochzeit, Abitur oder großen Festen wie zum Beispiel einem runden Geburtstag wird auch weiterhin gern Krawatte getragen“, sagt Dirk Dellweg. Übrigens: Es gibt heute rund 30 verschiedene Arten, eine Krawatte zu binden – weit verbreitet ist der „Doppelte Windsor“ sowie der „American“- Knoten. Am häufigsten wird dabei die Farbe Blau bevorzugt.

Krawatten gibt es seit 2000 Jahren

Bereits chinesische Soldaten sollen Krawatten, nur noch nicht so benannt, vor mehr als 2000 Jahren getragen haben, ebenso wie ihre römischen Pendants, die sich mit dem Tuch vor der scharfkantigen Rüstung schützten. Das Wort „Krawatte“ kommt vom französischen „Cravate“, was übersetzt Kroate bedeutete. Denn im 30-jährigen Krieg trugen kroatische Reiter oft Halstücher; diese Mode wurde in leicht abgewandelter Art in Frankreich übernommen und der Begriff fortan für das Kleidungsstück benutzt.