SHalom und Moin!

Feste feiern und würdig erinnern: Schleswig-Holstein feiert 2021 das jüdische Leben im Norden

Kiel. Es war im Jahr 321 nach Christus, als der damalige römische Kaiser Konstantin an die Kölner Stadtoberen schrieb. Per Edikt erlaubte er darin jüdischen Bürgern, öffentliche Ämter zu bekleiden. Der Brief ist die früheste bekannte Erwähnung jüdischen Lebens im Gebiet des heutigen Deutschlands. Und ein Grund zum Feiern: Im Jahr 2021 richtet die Bundesrepublik das Jubiläumsjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ aus.

Zwischen Nord- und Ostsee ließen sich jüdische Pioniere zwar erst Hunderte Jahre später nieder – gefeiert wird die willkommene Vielfalt im echten Norden aber dennoch: Rund 160 Veranstaltungen finden im Jubiläumsjahr landesweit statt. Aktionen vor Ort, Ausstellungen, Vorträge, Lesungen und auch digitale Angebote sollen Einblick in die wechselvolle Geschichte geben und auch eine Gelegenheit bieten, das jüdische Leben von heute kennenzulernen.

Jüdisches Leben soll sichtbarer werden

Kulturministerin Karin Prien und der Beauftragte für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, Peter Harry Carstensen (beide CDU, siehe Foto von David Ermes / MBWK), haben das Jubiläumsjahr eingeläutet. „Das Festjahr soll jüdisches Leben und jüdische Kultur in Schleswig-Holstein nachhaltig sichtbarer und zugänglicher machen“, sagte Prien im Kieler Landtag: Es gehe darum, auf diesem Feld eine langfristige Vernetzung und ein dauerndes gesellschaftliches Bewusstsein zu schaffen. „Jüdisches Leben gehört zu uns, von Kiel bis Keitum und von Harrislee bis Halstenbek.“

Das Festjahr zeige Prien zufolge, wie selbstverständlich Jüdinnen und Juden unsere Gesellschaft über Jahrhunderte geprägt haben. Ob Wissenschaft oder Malerei, Philosophie, Musik oder jüdische Feste, koscheres Essen, die Übernahme jiddischer Begriffe wie etwa „Schmusen“ oder „Techtelmechtel“ ins Deutsche, das selbstverständliche Tragen traditioneller Kleidung oder Toleranz bei der Religionsausübung: Berührungspunkte zwischen den Kulturen gab es durch die Jahrhunderte viele – und es gibt sie heute wieder mehr denn je. Ein Glück!

Erste urkundliche Erwähnung jüdischen Lebens in Schleswig-Holstein im Jahr 1424

Antisemitische Diskriminierung, Anfeindungen, Hass hingegen sollen keinen Platz haben in Schleswig-Holstein. Dabei spielen insbesondere die Schulen eine zentrale Rolle, so Prien: etwa durch die Vermittlung von jüdischen Traditionen, aber auch von Zivilcourage. „Das beginnt damit, dass man etwas sagt und nicht weghört, wenn ‚Du Jude‘ im Bus als Schimpfwort genutzt wird“, betonte sie. Diese gesellschaftliche Norm müsse „ohne Wenn und Aber“ verteidigt werden.

Als älteste bekannte Quelle im Hinblick auf das Judentum in Schleswig-Holstein nannte Peter Harry Carstensen eine Urkunde aus dem Jahr 1424. Damit ist die jüdische Geschichte in Schleswig-Holstein zwar deutlich jünger als anderswo – aber sie sei nicht weniger spannend, so der Antisemitismus-Beauftragte: „Wir wissen, dass es ab dem 17. Jahrhundert jüdische Gemeinden in Ahrensburg, Altona, Bad Segeberg, Elmshorn, Flensburg, Friedrichstadt, Glückstadt, Kiel, Lübeck, Neumünster und Rendsburg gab.“

Veranstaltungskalender mit mehr als 160 Angeboten

Darüber hinaus lebten eine Vielzahl an Familien bis zum aufkommenden Nationalsozialismus und der Shoah in anderen Orten ohne eigene Gemeinden. Dort prägten sie das Zusammenleben mit, betonte Carstensen. Und gehörten deshalb ebenso zum Land wie die vielen jüdischen Künstler und Künstlerinnen, die hier gewirkt hätten. Er wünschte sich: „Lassen Sie uns das Festjahr zu einem Anlass nehmen, das jüdische Leben als selbstverständlichen Bestandteil unserer Gesellschaft zu zeigen.“

Auf www. schleswig-holstein.de/juedisches-leben hat das Land einen Veranstaltungskalender veröffentlicht, der einen Einblick in die Vielfalt jüdischer Geschichte und Gegenwart in Schleswig-Holstein geben soll. Inzwischen sind mehr als 160 Aktionen dort vermerkt. In Videos und mit Texten nehmen zudem Vertreter der jüdischen Verbände, der Politik und aus der Gesellschaft Stellung.

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