Mit gebrauchten BH’s Großes bewirken

„Zwischen Abenteuerlust und sozialem Engagement“: Schleswig-Holsteins Landfrauen trafen sich in den Holstenhallen

Neumünster. Zum Landfrauen-Tag kamen zahlreiche Besucher aus dem ganzen Land in die Holstenhallen – die Veranstalter freute es: „Das zeigt, wie vernetzt wir untereinander und im ganzen Land sind“, sagte Ulrike Röhr, Präsidentin des Landfrauen-Verbands Schleswig-Holstein. Jedes Jahr bereitet ein Kreisverband den Tag vor – diesmal war Nordfriesland dran.

Das hörte man auch. Als Moderator Jan Malte Andresen wissen wollte, wieviele Landfrauen aus welcher Region gekommen waren, dröhnten Applaus und Jubel der Nordfriesinnen durch die Halle. Rund 6000 Mitglieder hat der Kreisverband als größter im Land. Auch im Forum, in dem etliche Aussteller sich auf einem bunten „Markt der Möglichkeiten“ vorstellten, drehte sich vieles um Angebote und Projekte aus dem Nordwesten – etwa die jungen Landfrauen, ein Netzwerk speziell für jüngere Frauen in ländlichen Gegenden, sowie den Ständen von Hofläden und Kunsthandwerkern.

Junge Landfrauen aus Nordfriesland präsentierten ihr Netzwerk auf dem „Markt der Möglichkeiten“.

Zuvor kam Ulrike Röhr jedoch auf das Thema Nachhaltigkeit zu sprechen. „Am 3. Mai war der ‚Erdüberlastungstag‘“, so die Landfrau. Das bedeute, bereits an diesem frühen Tag in 2019 hätten die Menschen die gesamten Ressourcen verbraucht, die für das ganze Jahr reichen sollten. „Fakt ist, dass wir über unsere Verhältnisse leben“, machte Röhr klar. Und setzte hinzu: „Es gibt keinen Planeten B, deshalb ist es wichtig, dass wir alle unseren Konsum überdenken.“

Ausbaden müssten die Folgen des Klimawandels häufig Menschen in der Dritten Welt. Dort könnten bereits kleine Veränderungen das Leben vieler Familien deutlich verbessern: So versucht auch die Initiative „Smalls for all“ zu helfen. Die Landfrauen unterstützen das Projekt eines schottischen Vereins, bei dem es darum geht, gebrauchte und neue BH’s sowie neue Unterwäsche zu spenden. In den Holstenhallen stand dazu ein großer weißer Sack, in dem gesammelt wird – wer will, kann auch direkt in der Rendsburger Landfrauen-Zentrale spenden, ebenso auf der Norla, die Anfang September bei Rendsburg startet.

BH’s und Unterwäsche für Frauen in Afrika: Dietlinde Ude vom Landfrauenverband Schleswig-Holstein zeigt die Spendenaktion „Smalls for all“.

Die Bekleidung werde direkt nach Afrika gebracht, wo sie dringend gebraucht werde, erläuterte Röhr: „Unterwäsche zu tragen, ist für uns selbstverständlich – in Afrika nicht. Lassen sie uns die Mädchen und Frauen dort gemeinsam unterstützen!“ Viele von ihnen könnten sich BH’s und Unterwäsche nicht leisten – aber wer es kann, sei besser geschützt gegen sexuelle Übegriffe, habe als Kind auch während der Periode die Chance auf einen Schulbesuch und steige im Ansehen in der dortigen Gesellschaft.

Nachhaltig handeln, das ist Röhr auch in anderer Hinsicht wichtig: Rund 11 Millionen Tonnen Lebensmittel landen ihr zufolge jedes Jahr in Deutschland im Müll. Ein Großteil davon wäre vermeidbar: „Wir können alle im Alltag etwas dazu beitragen, dass auch die nächsten Generationen gut leben können“, rief Röhr auf und nannte die „Foodsharing“-Initiative der Landfrauen, die überzähliges Brot, Gemüse und Co einsammelt und an anderer Stelle kostenlos an bedürftige Menschen abgibt.

Autor Till Demtrøder signierte auf Wunsch Bücher auf dem Landfrauen-Tag.

Im weiteren Verlauf des Landfrauentags sprach Schauspieler und Autor Till Demtrøder mit Jan Malte Andresen über soziales Engagement – Demtrøder, bekannt aus der TV-Serie „Großstadtrevier“, setzt sich als Botschafter für die Welthungerhilfe, die Seenotretter und „Ein Herz für Kinder“ ein. Und Dr. Henrik Herrmann, Präsident der Ärztekammer Schleswig-Holstein, sowie Professor Rainer Schönweiler von der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde in Lübeck stellten gemeinsam mit den Landfrauen die neue Gesundheitsaktion zum Thema „Hören“ vor.

Ute Volquardsen, Präsidentin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holsteins, sprach schließlich den Umbruch in der Rollenverteilung an, der derzeit im Agrarbereich geschehe. Immer mehr Frauen würden in unterschiedlichsten Aufgabenfeldern mehr Verantwortung übernehmen – und dennoch: Nur zehn Prozent der Betriebe im Norden seien von Frauen geführt. Volquardsen: „Das ist noch ausbaufähig!“ Sie plädierte nicht etwa für eine Frauenquote, sondern dafür, endlich die Talente und Kompetenzen von Frauen in der Landwirtschaft stärker in den Fokus zu rücken.

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