Mit der KI leben lernen

Chance und Risiko zugleich: Wie künstliche Intelligenz den echten Norden verändert

Kiel. „Hey Google, was ist…?“ Wer auf seinem Handy Dienste wie Siri, Alexa oder die Google Spracheingabe nutzt, der lässt sich von künstlicher Intelligenz unterstützen. Künstliche Intelligenz, abgekürzt KI, bedeutet: Ein Computer ahmt die menschlichen geistigen Fähigkeiten nach, indem er Informationen, mit denen er zuvor „gefüttert“ wurde, nach einem bestimmten Muster erkennt, sortiert und per Sprache oder Text wiedergibt. Das ist nichts Neues – die Assistenten und Internetseiten sind praktisch und begleiten Millionen Menschen schon seit etlichen Jahren.

Ende 2022 allerdings wurde ein neues Angebot namens ChatGPT veröffentlicht, das für einen „Hype“ rund um KI sorgte, der bis heute andauert. Innerhalb von nur zwei Monaten meldeten sich 100 Millionen Menschen für den Dienst an. Das Besondere: Das Programm, „Chatbot“ genannt, kann nicht nur komplexe Sachverhalte simpel erklären, sondern selbst Neues erschaffen. Beispielsweise ein Gedicht für die Freundin, einen Aufsatz für Schule und Uni. Möglich ist das, weil die KI mit einer riesigen Menge an Daten aus dem Internet, Zeitschriften und Büchern versorgt wurde. Mit jedem Dialog lernt die Maschine Neues hinzu – und wird dadurch immer perfekter. Filter sollen dafür sorgen, dass möglichst keine falschen oder schädlichen Inhalte ausgegeben werden. Nur: Wer bestimmt das?

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Längst beschränkt sich diese Kreativität nicht mehr nur auf Texte. Auch Bilder, Lieder und Vieles mehr sind inzwischen computergeneriert. KI steckt heute in zahlreichen Anwendungen: von der App, mit der Lehrer die Leseleistung ihrer Schüler messen können, über innovative Dienstleistungen in Verwaltung und Wirtschaft bis hin zur medizinischen Software, die Tumore im Gewebe eines Menschen erkennt. Nahezu überall hat sich die künstliche Intelligenz etabliert, um dem Menschen Routineaufgaben abzunehmen, Abläufe zu vereinfachen und Lösungen anzubieten. Und das rational, effizient, günstig.

Werden wir in Massen arbeitslos?

Aufgaben abnehmen? Was, wenn dadurch Menschen arbeitslos werden oder von vornherein erst gar kein Bedarf mehr an menschlicher, teurerer Arbeitsleistung besteht? Droht dann nicht eine Massenarbeitslosigkeit? Und: Wollen wir wirklich, dass die Entscheidung einer Behörde, die mit Unterstützung von KI entstanden ist, das Schicksal von Menschen beeinflusst? Dirk Schrödter, Chef der Staatskanzlei und Schleswig-Holsteins Digitalisierungsminister, sieht die Arbeitschancen für Menschen keineswegs gefährdet. „Das Gegenteil ist der Fall. Durch die Entwicklung von Technologien entstehen überhaupt erst viele Arbeitsplätze! Wir sehen, dass sich hier gerade viele digitale Start-Ups entwickeln, die künstliche Intelligenz einsetzen. Und wenn solche Unternehmen den Digitalstandort Schleswig-Holstein stärken, stärken sie gleichzeitig auch die Unternehmen der klassischen Industrie, sei es aus dem Schiffbau oder dem Textilbereich.“

Klar ist: Das maschinelle Lernen entwickelt sich derart rasant, dass es weltweit zu elementaren Veränderungen in der Gesellschaft kommen wird – in der Art und Weise, wie wir arbeiten, wie wir Bilder und Texte wahrnehmen werden und was wir in unserer Freizeit tun werden. „Wir werden mit der KI leben lernen müssen“, sagt die Landesdatenschutzbeauftragte Marit Hansen. Sie setzt sich dafür ein, dazu klare und grundsätzliche Regeln aufzustellen, beispielsweise um das Recht auf den Schutz der eigenen Daten zu garantieren.