„Mach‘ mal suutsche!“

Besinnliches Konzert „op Platt“: Gitarrist und „Godewind“-Sänger Gerrit Hoss am 6. Dezember bei Nortex

Singer-Songwriter, Gitarrist, Moderator: Gerrit Hoss vereint als Künstler viele Talente. Am Nikolaustag, 6. Dezember, gibt der Künstler und „Godewind“-Sänger ein Konzert bei Nortex – auf Hochdeutsch und „op Platt“. Im Interview schildert der 45-Jährige, der in Hamburg lebt, was ihm dabei als Musiker besonders wichtig ist.

Im Norden zuhause: Singer-Songwriter und Gitarrist Gerrit Hoss gibt bei Nortex ein Konzert – auf Platt- und Hochdeutsch. Foto: Agentur Waldmeister

Herr Hoss, „Immer auf der Suche nach neuen Horizonten“ steht auf Ihrer Internetseite. Wie ist das gemeint?

Gerrit Hoss: Es geht um Inspiration – man weiß ja nie, wann sie kommt, sie lauert überall auf einen. Wenn ich auf eine Geschichte für ein Lied stoße, „hacke“ ich das gleich ins iPhone, das ist mein digitaler Notizblock. Die Begegnung mit Menschen kann inspirieren, jeder hat irgendetwas zu erzählen. Deswegen finde ich es wichtig, offen auf jemanden zuzugehen: Dann kriegt man viel mit und wechselt auch mal die Perspektive, kriegt selbst einen neuen Horizont. Mit „Godewind“ sind wir zum Beispiel Botschafter für ein Hospiz in Hamburg. Bei einem Konzert dort habe ich eine Frau kennengelernt, die nicht mehr lange zu leben hatte. Aber sie hatte so eine Lebensfreude in sich – sie hat sehr viel Mut und Stärke und Zuversicht ausgestrahlt, obwohl sie in einer ausweglosen Situation war.

„Wind vun achtern“ ist das jüngste Album von „Godewind“. Haben Sie ein Lieblingsstück darin?

Eigentlich bin ich ja Gitarrist, und wenn ich mit „Godewind“ auf der Bühne stehe, spiele ich am liebsten E-Gitarre zu „Kummst du mit mi…“ oder „Allens op root“, weil es so richtig schön abrockt. Auf dem Konzert bei Nortex spiele ich auf der Akustikgitarre: ein paar Godewind-Lieder, zum Beispiel „In‘n Kroog brennt noch Licht“, das bringt Spaß und kommt live immer gut an. Und es gibt Songs von meinem neuen Solo-Album „Mit der Flut“.

Sie und „Godewind“ – wie kam es dazu?

Foto: Agentur Waldmeister

Wir haben uns 2021 im Studio getroffen, und das hat super hingehauen. Das war in der Coronazeit, direkt danach hatten wir erst einmal zwei Jahre „Zwangspause“. Jetzt haben wir sehr frischen Wind reingelassen und alles ein bisschen moderner angepasst; es gibt zum Beispiel keine Blockflöten mehr. Dafür bekommen wir ein tolles Feedback von vielen Fans, die das total feiern.

Sie sind Jahrgang 1980. Die 80er und 90er Jahre waren nicht unbedingt eine Zeit, in der Plattdeutsch besonders hip war. Woher rührt der trotzdem enge Bezug dazu?

Ich bin auf dem Dorf aufgewachsen, da war es allgegenwärtig. Wie es bei den meisten so ist: Sie verstehen alles, trauen sich aber nicht, selbst Platt zu schnacken. Doch als ich in München lebte, merkte ich: die haben einen ganz anderen Bezug zu ihren Wurzeln. In einem Brauhaus hatte ich ein Schlüsselerlebnis: die Dorfjugend hatte auf alten Instrumenten richtig losgerockt. Ich hab‘ dann ein paar plattdeutsche Songs geschrieben und später immer mehr auf Platt für den NDR gemacht. Mein neues Album ist zweisprachig, Plattdeutsch und Hochdeutsch, und ich finde, das muss man gar nicht erklären – für mich ist das ganz selbstverständlich, einfach, weil ich beide Sprachen spreche.

Plattdeutsch ja, aber bitte ohne „Möwenschiss- Image“ heißt es bei Ihnen…

Foto: Agentur Waldmeister

Plattdeutsch hat für manche immer noch so ein Gummistiefel- Klischee und wird teils veralbert. Ich finde, Wörter wie „Schnuten-Pulli“ für die Atemmaske oder „Acker-Schnacker“ fürs Handy verballhornen die Sprache und klingen leicht dümmlich. Bei mir heißt das Handy auch auf Plattdeutsch Handy, weil sich jede Sprache doch weiterentwickelt – das ist ganz normal.

Was sind die „Top 3“ Ihrer persönlichen Lieblingswörter auf Plattdeutsch?

Der dritte Platz ist „Plüschmors“ für Hummel. Auf Platz zwei ist „Mach‘ mal suutsche“ – so viel wie entspann dich, mach langsam. Das beinhaltet ganz gut unsere norddeutsche Lebensphilosophie. Und es passt auch in unsere Zeit, in der alles immer schneller und höher und weiter gehen muss. Da finde ich es gut, wenn man sich mal ein bisschen verpustet. Und auf Platz eins ist „Moin“: Damit ist alles gesagt bei uns.

Angefangen haben Sie mit aufgeklapptem Gitarrenkoffer in Fußgängerzonen. Wie ist das, als Musiker so nah an den Menschen groß zu werden?

Ich bin wahnsinnig glücklich, diese Erfahrung gemacht zu haben, denn darum geht‘s auch auf der Bühne. Alles, was du dort kannst, lernst du auf der Straße. Wie du mit den Leuten umgehst – auf der Straße ist das Feedback sofort da: entweder sie bleiben stehen oder sie gehen weiter. Wenn du nicht bei der Sache bist, merken die das. Für mich geht es darum, authentisch zu sein. Meine Lebensphilosophie ist, anderen Leuten eine schöne Zeit zu machen.

Fotomontage: Nortex, Fotos: AdobeStock / Agentur Waldmeister

Worauf können sich die Gäste bei Nortex freuen, wenn Sie am 6. Dezember kommen? Was bringen Sie mit „im Sack“?

Das weiß ich selbst noch gar nicht so genau – ich improvisiere gern. Ich guck‘ mir an: Wer sitzt da? Worauf habe ich selbst Lust? Und dann haben wir einen schönen Abend zusammen, das ist mir das Wichtigste. Natürlich bringe ich dann auch ein paar Godewind-Songs, plattdeutsche Klassiker wie „Freesenhof“ und auch eine weihnachtliche Geschichte mit. Übrigens: Am 26. Dezember spielen wir noch einmal in der Anscharkirche in Neumünster.

Was ist Ihr Gefühl, wie geht‘s der Sprache Plattdeutsch jetzt im Moment – und wie wird das in Zukunft sein?

Plattdeutsch hat leider für viele ein ganz bestimmtes Image; diese Scheuklappen gibt es immer noch. Das Schlimmste für mich ist aber, wenn jemand mit der Brechstange Slogans etablieren will wie beispielsweise „Platt schnacken ist cool“ – da muss ich mich schütteln, denn das bewirkt genau das Gegenteil. Am Ende ist es so wie mit jeder anderen Sprache auch: Sie überlebt nur, wenn sie zuhause gesprochen wird.

Foto: Agentur Waldmeister

DAS IST „GODEWIND“

„Godewind“ steht im Plattdeutschen für „Guter Wind“ – und für eine schleswig-holsteinische Ausnahme-Band: Sie wurde 1979 gegründet und hat seither zahlreiche Lieder „op Platt“ und Hochdeutsch veröffentlicht. Wurde der Stil früher eher der volkstümlichen Musik zugerechnet, umfasst er inzwischen auch Pop, Folk und Rock. Ab 1980 gab Godewind in Kirchen Weihnachtskonzerte „op Platt“, die zur festen Tradition wurden. Mit Auftritten im Radio und Fernsehen wurde die Band über die Grenzen Schleswig-Holsteins hinaus bekannt. Das 2024 erschienene „Wind vun achtern“ ist das aktuelle Album; es ist das zweite Werk nach „Wenn es schneit“ (2022) in neuer Besetzung. Zur Band gehören die langjährigen Bandmitglieder Heiko Reese (Drums & Percussion) und Anja Bublitz (Vocals) sowie seit 2020 Gerrit Hoss (Vocals, Gitarre) und Kai Lindner (Keyboard).

Tickets für das Konzert mit Gerrit Hoss am Samstag, 6.12., ab 16 Uhr sind für 20 Euro an der Nortex-Kundeninfo erhältlich. Beim Einlass erhalten die Zuschauer jeweils einen Einkaufsgutschein über 20 Euro. Mehr Infos dazu unter Telefon 04321-87000.

Donnerstag ist Tortentag

Donnerstags von 11-14 Uhr

Im Frühling (März-Mai) und im Herbst (September-November) können Sie an jedem Donnerstag von 11-14 Uhr in unserem Café-Bistro verschiedene Sorten leckerer, frisch gebackener Torten genießen.

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