
Lieber positive Emotionen, Sinnhaftigkeit und Lebensglück statt „giftiger“ Nachrichten: So war der Themenmittwoch mit Diplom-Psychologin Kaia Reilson bei Nortex
Neumünster. Frau Greve hat mir ein Fellbällchen geschenkt. Es ist dunkelblau und sehr „puschelig“. Wenn man es in der Hand hält, spürt man die eigene Wärme. Es ist wunderbar.

Frau Greve ist unsere Nachbarin des Büros, in dem das Nortex-Marketing arbeitet. Sie genießt ihren Ruhestand, geht mit Vorliebe in der Frühlingssonne spazieren, ist herzlich und aufgeweckt – und auch gern und regelmäßig zu Gast, wenn im Modehaus eine besondere Veranstaltung passiert.
Wie zum Beispiel am 18. März, als der erste Themenmittwoch in 2026 stattfand. Knapp 90 Besucher waren ins Café-Bistro gekommen, um etwas über positive Psychologie zu erfahren. Die Dozentin des Abends Kaia Reilson, Diplom-Psychologin aus Kiel und mit estnischen Wurzeln, gab ihr Wissen darüber anschaulich, informativ und kurzweilig weiter – alles garniert mit einem sehr sympathischen skandinavischen Akzent.

Ein Maßband zum Wachrütteln
Gleich zu Beginn verteilte sie ein Maßband aus Papier. „Heute ist es aber kein Maß-, sondern ein Lebensband“, erläuterte sie. „Jeder Zentimeter beträgt ein Lebensjahr.“ Man möge es bei der durchschnittlichen Lebenserwartung abreißen: für Frauen liegt diese bei 83, für Männer bei 78 Jahren. Dann wurde das Lebensalter abgezogen – schließlich hielt jeder seine statistisch erwartbaren übrigen Lebensjahre in Händen.
„Das soll uns ein wenig wachrütteln, dass unsere Lebenszeit kostbar ist“, so Kaia Reilson. Und fragte: „Womit wollen wir sie füllen? Wie wäre es mit positiven Emotionen, mit Sinnhaftigkeit, vielleicht sogar mit Glück?“ Schließlich sei das besonders gut für uns: Positive Emotionen machen uns demnach nicht nur zufriedener, sondern „fressen“ auch den Stress auf, was uns direkt körperlich zugute kommt.

Mehr Gutes wahrzunehmen, kann beflügeln
Doch während jüngere Kinder häufig eine noch sehr positive Sicht auf sich und ihre Umwelt haben, ändere sich das oft im Schul-Alter, so die Expertin. Warum? „Unsere Gesellschaft ist leider sehr leistungsorientiert; Fehler dürfen nicht passieren. Das macht etwas mit unserem Gehirn.“ Letzteres besteht aus über 80 Milliarden Nervenzellen, viele davon in neuronalen Netzen miteinander verknüpft. Besonders ausgeprägt sind diese, wenn es um die Wahrnehmung von Negativem geht.
Die gute Nachricht: Das ist nicht unumkehrbar. „Unser Gehirn ist neuroplastisch – es kann lernen, mehr Positives in unserer Umwelt wahrzunehmen.“ So würden auch neue neuronale Netze gebildet. Eine Übung dazu ist, jeden Abend darüber nachdenken, was tagsüber gut gelaufen ist. „Es geht zugleich darum, die innere negative Stimme zu ignorieren beziehungsweise einfach auszuhalten“, sagt Kaia Reilson. Mit der Zeit fielen einem dann immer mehr positive Dinge ein, die man erlebt oder gefühlt hat – darin liege eine innere Stärke, die einen geradezu beflügeln kann.
„Jeden Tag ein bisschen Gift“
Das „Dauerbombardement“ mit negativen Nachrichten hingegen sei schlecht für uns. „Durchschnittlich gucken wir 45 Minuten täglich Nachrichten – hochgerechnet sind das mehr als fünf Stunden pro Woche. Das ist jeden Tag ein bisschen Gift“, so die Psychologin. „Wenn wir den positiven Nervenbahnen eine Chance geben wollen, müssen wir aufhören, so viele negative Nachrichten zu konsumieren. Fragen Sie sich: Welchen konkreten Wert hat diese Nachricht für mein Leben?“
Mit der Seele sei es ähnlich wie mit der Köperhaltung: Es ist schwierig, sich mit gesenktem Kopf glücklich zu fühlen. Doch es lässt sich aktiv etwas dagegen tun. Sechs Mal am Tag, um genauer zu sein. Und zwar diese Übung: Für 30 Sekunden gilt es, ein strahlendes, breites Lachen aufzusetzen – auch, wenn es gar nichts Lustiges gibt. Allein dadurch, dass die Mimik-Muskeln sich anstrengen, sorgt das im Körper für mehr glücklich stimmende Hormone.

Ein Fellbällchen steht für Zuneigung
Nach weiteren Übungen erzählte Kaia Reilson eine Geschichte: die der „kleinen Leute von Swabadu“. Es ging, jetzt kommen wir zurück zum Anfang dieses Textes, um Fellbällchen, die die kleinen Wesen einander ständig schenken; aus Sympathie und schierer Freude am Geben. Doch dann flüstert ein Kobold ihnen ein, die Bällchen lieber für sich selbst zu horten. Der Gedanke greift um sich, bis kaum noch Geschenke gemacht werden. Erst sehr viel später wird er überwunden, doch so wie früher wird es nicht mehr.
Die Fellbällchen – sie stehen für Achtsamkeit, Freundschaft und Fürsorge, für Hilfsbereitschaft, Zuneigung und Liebe. Und es seien nicht nur Freunde und Familie, sondern es sei die Gesellschaft insgesamt, die solche Bällchen verdient habe, so Kaia Reilson: „Zu einem guten Leben gehört auch, dass man das Wohlbefinden anderer fördert.“
Ein anderer Blick, der sich lohnt
Dem schloss sich Nortex-Geschäftsführer Andy Grabowski an – verbunden mit einem herzlichen Dank an Kaia Reilson. „Wir wollten eine Veranstaltung anbieten, die es ermöglicht, einen anderen Blick auf die Dinge zu werfen“, sagte er. Und fügte dann noch mit einem Lächeln hinzu: „Denn wer es schafft, ein bisschen glücklicher zu leben, kann sich den einen oder anderen Zentimeter vom Maßband sicher zurückholen.“

Der Themenmittwoch ist Teil eines attraktiven, interessanten und vielfältigen Veranstaltungsprogramms, das Nortex seinen Kundinnen und Kunden das ganze Jahr hindurch anbietet. Mehr Infos zu kommenden Events sind direkt im Modehaus, Grüner Weg 9-11, 24539 Neumünster, unter Telefon 04321-87000, via Social Media sowie auf www.nortex.de verfügbar. Herzlich willkommen!