Hochwertig, langlebig und gut für die Umwelt

Das Textilunternehmen Eterna zeigt, wie sich hoher Qualitätsanspruch und Nachhaltigkeit verbinden lassen

Die Taufe. Das Hochzeitsfest. Oder auch das Business-Meeting: Herrenhemden und Damenblusen für alle Anlässe und von erstklassiger Qualität anzubieten, diesem Ziel hat sich das Unternehmen Eterna verschrieben. Im kommenden Jahr feiert der Markenhersteller mit Sitz in Passau sein 160-jähriges Firmenjubiläum – und will auch künftig Tradition mit nachhaltigem Handeln verknüpfen. Ein Interview mit Eterna-Vertriebschef Philipp Lübbenjans.

Philipp Lübbenjans leitet den Vertrieb bei Eterna. Foto: Eterna

Herr Lübbenjahns, was tragen Sie heute?

Philipp Lübbenjans: Ich trage natürlich ein Eterna-Hemd – es ist ein kariertes Hemd aus unserer Premium-Linie 1863 by ETERNA, dazu eine beige Chino-Hose und, wie es ja im Moment üblich ist, weiße Sneaker.

Ist Ihre Bekleidung nachhaltig produziert worden – und war Ihnen das, als Kunde, persönlich wichtig?

Beim Hemd kann ich genau sagen, dass es nachhaltig produziert ist; bei der Chino weiß ich zumindest, dass sie zu 100 Prozent aus Bio-Baumwolle besteht. Das zeigt auch gleich die Problematik: Was ist nachhaltig und wie erkenne ich, ob und nach welchen Kriterien ein Produkt hergestellt worden ist? Das ist nicht immer einfach zu sagen. Mir persönlich ist es wichtig, den Fokus darauf zu richten, woher meine Kleidung kommt.

„Nachhaltigkeit war für uns nie ein Modethema“ heißt es bei Eterna. Mit welcher Leitlinie geht das Unternehmen nachhaltig vor? Und seit wann?

Spätestens seit „Friday for future“ ist das Thema ja sehr präsent und vor allem durch die junge Generation auf den Plan gebracht worden. Es wird im Marketing in der Branche teils stark genutzt. Bei Eterna ist es so: Wir haben im Jahr 2000 bereits das höchste Ökotex-Siegel erhalten, als erster Hemdenhersteller damals. Alles, was wir tun, tun wir auch im Sinne der Nachhaltigkeit. Das gehört ein Stück weit zur DNA von Eterna. Hinzu kommt: Wir wissen alle, dass die Ressourcen unseres Planeten beschränkt sind – und dass wir in unserer Branche für einen großen Teil des CO2-Ausstoßes mitverantwortlich sind. Wenn man ein Produkt wählt, das langlebig ist, hat das einen direkten positiven Einfluss. Wir sind seit jeher darauf bedacht, qualitativ sehr hochwertige Hemden herzustellen, die ihren Besitzern lange Freude machen – auch das ist ein Aspekt der Nachhaltigkeit.

Lassen sich dazu weitere „Meilensteine“ in der Unternehmensgeschichte nennen?

Wir haben schon im Jahr 2015 einen sehr großen Teil unserer Kollektion mit dem Label „Made in Green“ von Ökotex zertifizieren lassen. Das beinhaltet neben der Schadstofffreiheit in den Produkten auch die Prüfung der Produktionsstätten von A bis Z  – zu Themen wie Abwasserreinigung bis zur Verhinderung von Zwangsarbeit werden die Betriebe, mit denen wir arbeiten, regelmäßig auf diesen hohen Standard hin geprüft. Seit 2017 stellen wir Teile unserer Kollektion, etwa unserer Premiumlinie 1863 by ETERNA, mittels Kompensation CO2-neutral her. Und im Jahr 2020 ist dann der von der Politik ins Leben gerufene „Grüne Knopf“ hinzugekommen – so wird bei uns aus doppelter Sicht geprüft.

Welche Herausforderungen bringt es aus betrieblicher Sicht mit sich, nachhaltig zu planen, zu entwickeln, zu wirtschaften?

Eine spannende Frage. Es ist eine große Herausforderung, Qualität und Nachhaltigkeit unter einen Hut zu bekommen und beides in die Produktplanung mit einzubeziehen. Zum Beispiel, welche Rohstoffe wir verwenden: Für unsere Hemden benötigen wir extra langstapelige Baumwolle, das heißt solche, die besonders langfaserig ist. Der Ertrag macht weltweit nur einen sehr kleinen Prozentsatz der weltweiten Ernte aus; aber nur aus dieser Baumwolle kann das besonders strapazierfähige, hochwertige Garn entstehen, das wir für unsere Hemden benötigen.

Teils müssen wir daher Kompromisse eingehen – allerdings nicht bei der Qualität. Wir setzen stattdessen auch auf neue Produkte wie die Faser Lyocell, auch unter dem Handelsnamen Tencel bekannt, und recycelte Baumwolle. Fakt ist: Nachhaltige Produkte kosten mehr im Vergleich zu konventionellen Produkten, nur ist der Endverbraucher nicht bereit, mehr auszugeben. Das ist ein Problem.

Eterna legt die gesamte Wertschöpfungskette offen. Was kann der Kunde daraus ersehen?

In jedem Eterna-Produkt, das „Made in Green“-zertifiziert ist, findet sich ein Pflegeetikett, auf dem ein Barcode mit einer Nummer darunter zu sehen ist. Das ist die EAN-Nummer: Wenn man den auf www.eterna-naturally.de eingibt, kann man exakt sehen, woher einzelne Bausteine des Eterna-Produkts stammen. Beispielsweise kommen einige „Zutaten“ für ein Herrenhemd aus Deutschland, andere aus Asien, gefertigt wird das Hemd in der Slowakei. Bei 100 Prozent unserer Hemden und einem Großteil unserer Blusen lässt sich auf diese Weise der Prozess der Herstellung nachverfolgen.

Können Sie das eines konkreten Beispiels erläutern?

Na klar: Ich habe einmal ein Hemd aus meinem Kleiderschrank geholt und gerade den EAN-Code eingegeben. Nun sieht man eine Weltkarte und mehrere Einträge, die sich auf die Fertigung des Kleidungsstücks beziehen. In einer Legende sind die Zeichen, Logos und Symbole erklärt.

In diesem Fall findet die Produktion von Zubehör in Hong Kong statt, das können beispielsweise Nähgarn, Knopf und Reißverschlüsse sein. Das Spinnen, Färben, Veredeln ist in China markiert – das bedeutet, von hier kommt der Stoff. Weiter geht es nach Europa: In Rumänien ist das Produkt gefertigt worden. Was man daraus ersehen kann: Die Fertigung eines Hemdes ist bei uns ein globaler Prozess, bei dem vieles ineinander greift.

Warum bietet Eterna diesen Service an?

Es geht darum, den Kunden und Kundinnen das beruhigende Gefühl zu vermitteln, dass sie unsere Produkte mit einem guten Gewissen tragen können.

Vom Trend her: Fragen die Kunden nachhaltige Produkte vermehrt nach? Worauf legen sie besonderen Wert?

Nachhaltigkeit hat heute viel mehr Präsenz als früher. Die Kunden fragen das tatsächlich auch häufiger nach. Aber wie definieren wir Nachhaltigkeit? Reicht es, wenn das Produkt ein Bio-Baumwollsiegel hat? Oder geht der Kunde noch weiter? Das merken wir im Moment noch nicht. Leider ist fehlende Nachhaltigkeit noch kein Auschlusskriterium beim Kauf von Mode. Wir gehen davon aus, dass das aber irgendwann zu einer Selbstverständlichkeit werden wird, eine Art „Hygiene-Faktor“.

Wie lassen sich soziale Aspekte, beispielsweise die Verhinderung von Kinderarbeit, gute Arbeitsbedingungen und faire Entlohnung gewährleisten?

Das lässt sich nur gewährleisten, wenn man selbst vor Ort in den Produktionsbetrieben ist und die Begebenheiten dort kontrolliert. Das ist der wichtigste Faktor. Dokumentiert wird das von unabhängigen Prüfstellen, zum Beispiel Einrichtungen, die über das staatliche Siegel „Grüner Knopf“ eingebunden sind. Wir arbeiten darüber hinaus sehr eng mit dem Label Ökotex, hinter dem das Institut Hohenstein steckt, zusammen.

Fachhandel als „Sprachrohr“ für nachhaltige Mode

Für jeden Geschmack passend: Abteilungsleiter Dirk Dellweg präsentiert eine große Auswahl an Eterna-Hemden bei Nortex. Foto: Nortex

Welche Bedeutung kommt dabei dem Fachhandel, etwa einem Modehaus wie Nortex, zu?

Ich finde, hier liegt eine sehr große Verantwortung. Wir merken vermehrt, dass die Fachhändler gewisse Standards erfüllt haben möchten oder sogar Quoten vorgeben, dass ein bestimmter Anteil der Ware, die sie im Sortiment haben, nachhaltig sein muss. Ein wichtiger Aspekt ist auch, über den Fachhandel die Endverbraucher zu beraten. Und hier sind Modehäuser wie Nortex mit sehr kompetenten Mitarbeitern ein wichtiges Sprachrohr. Das ist auch unser Anliegen: Wir bieten Schulungen an, um über unser Handeln im Bereich Nachhaltigkeit zu informieren – und zu erläutern, wofür „Made in Green“ eigentlich steht. Es geht uns darum, in dem Dschungel von Zertifikaten ein Stück weit freie Sicht zu verschaffen. 

Wie sehr haben zwei Jahre Pandemie und aktuell der Ukraine-Krieg die Handelswege und -beziehungen EU-weit und global beeinträchtigt?

Die Situation ist nach wie vor sehr zugespitzt. Die Beschaffung, vor allem aus Asien, stellt uns vor große Herausforderungen – man sieht es gerade aktuell am Beispiel des Lockdowns in Shanghai: Das hat massive Auswirkungen auf die Wertschöpfungsketten. Deutlich längere Frachtzeiten machen uns ebenfalls zu schaffen, hinzu kommen massiv steigende Preise. Wir haben gewisse Preislagen bei unseren Produkten, die wir bedienen wollen und auch müssen: Der Endverbraucher ist sie von uns gewohnt. Da kann ein Produkt nicht plötzlich statt 59 nun 79 Euro kosten, obwohl es das im einen oder anderen Fall müsste. Wir hoffen, dass sich die Situation möglichst schnell normalisiert; allerdings gehen wir davon aus, dass die schwierigen Bedingungen im Jahr 2022 zunächst einmal bestehen bleiben werden. Und 2023 kann man noch gar nicht abschätzen.

Blickdicht: Im aufwändigen Verfahren stellt Eterna ein besonders dicht gewebtes Herrenhemd her, durch das beispielsweise Tattoos nicht zu sehen sind. Foto: Eterna

Was erwarten Sie für die Zukunft – kommt es zu einer Art „Show-Down“ zwischen Fast Fashion und hochwertiger, immer häufiger nachhaltig produzierter Bekleidung?

Fast Fashion und hochwertige Mode haben sich in den letzten Jahren einander angenähert – es ist heute normal, eine Bluse von Eterna zu tragen, kombiniert mit einer Hose vielleicht von Zara und einer Handtasche von Louis Vuitton. Während sich hochwertige Textilien einfach länger tragen lassen, steht Fast Fashion eher im Widerspruch zur Nachhaltigkeit. Trotzdem wird es den Trend weiterhin geben – und es gibt sogar hier Bemühungen, nachhaltiger zu produzieren. Aber ob ich eine Jeans für 7,99 Euro kaufe und das für nachhaltig halten kann, diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten. Ich denke, in Zukunft wird jeder von uns bereit sein müssen, zu einem nachhaltigen Leben beizutragen – und dazu gehört natürlich auch der Umgang mit Bekleidung.

Wissenswertes zu Eterna

Als modernes Modeunternehmen mit knapp 160 Jahren Tradition unterstreicht Eterna seit 1863 mit höchsten Qualitätsanforderungen und zahlreichen Innovationen seinen Anspruch als führender Hersteller von Herrenhemden und Damenblusen mit Sitz in Passau. Dabei kann der Textilspezialist das tiefe Wissen um das Kernsortiment voll ausspielen – hohe Passformtreue, Varianz in Ärmellänge sowie Kragenformen sind nur einige Beispiele. Im Jahr 2020 setzte Eterna mit Vertretungen in rund 40 Ländern weltweit rund 2,2 Millionen Hemden, eine halbe Million Blusen sowie zahlreiche Krawatten und Accessoires um.