Hochwasser: Schleswig-Holstein schickt 600 Helfer nach Rheinland-Pfalz

Ministerpräsident Günther verabschiedet Einsatzkräfte im Gefahrenabwehrzentrum in Neumünster

Neumünster. Mit Blaulicht und Sirenengeheul sind heute rund 600 Helfer aus Schleswig-Holstein aufgebrochen, um die Menschen in den vom Hochwasser verwüsteten Gebieten in Rheinland-Pfalz zu unterstützen: Ministerpräsident Daniel Günther verabschiedete die Frauen und Männer von der Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, Deutschem Roten Kreuz und weiteren Verbänden am Nachmittag im Gefahrenabwehrzentrum in Neumünster.

Solidarisch trotz großer Gefahren

Auf geht’s: Der Regierungschef winkte den Einsatzkräften zum Abschied im Gefahrenabwehrzentrum Neumünster. Foto: Nortex

Der Kieler Regierungschef sprach von einem besonderen Tag angesichts der dramatischen Situation in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Jeder, der die Fernsehbilder aus den betroffenen Regionen gesehen habe, könne erahnen, was dort für Zustände seien. Günther: „Das ist etwas, was man noch nie in dieser Dimension erlebt hat. 160 Tote, darunter auch Einsatzkräfte, unermessliche Zerstörungen – dass dann Menschen sagen ‚Da will ich mit anpacken!‘, das ist ein beeindruckendes Zeichen der Solidarität. Ohne Ehrenamt könnten wir so etwas gar nicht bewältigen.“

Schleswig-Holsteiner leisten schnelle Hilfe

Es habe den Ruf nach Unterstützung aus diesen Gebieten gegeben, so der Ministerpräsident. „Und die wird aus Schleswig-Holstein jetzt auch geleistet. Die Männer und Frauen, die wir verabschieden, das sind diejenigen, die sich sofort gemeldet haben, für 72 Stunden und länger. Das so schnell auf die Reihe bekommen zu haben, finde ich bewundernswert“, sagte Günther. „Ich will einfach herzlichen Dank sagen – für dieses großartige Engagement. Wir sind wahnsinnig stolz auf euch!“

Einsätze werden vor Ort koordiniert

Mitglieder der Berufsfeuerwehr Neumünster nehmen eine Drohne mit in den Einsatz, um vor Ort einen besseren Überblick beispielsweise zur Gefahreneinschätzung zu erhalten. Foto: Nortex

Was die Helfer etwa in der besonders schwer gebeutelten Region Ahrweiler erwartet und wozu sie eingesetzt werden, steht noch nicht fest und werde auf dem Weg und vor Ort entschieden. Klar ist, dass sie in den Unwettergebieten nicht mit funktionierender Infrastruktur rechnen können: Deshalb sind neben Brandschützern, Sanitätern und Mitgliedern des Technischen Hilfswerks auch weitere Einsatzkräfte dabei, die den Helfern logistisch, aber auch mit psychosozialer Betreuung zur Seite stehen sollen. Geplant ist, dass die Männer und Frauen drei bis maximal fünf Tage im Katastrophengebiet unterstützen.

600 Kilometer bis zum Nürburgring

Doch erst einmal geht es jetzt knapp 600 Kilometer auf der Autobahn in Richtung Süden. „Marschziel ist der Nürburgring!“, sagt Volker Arp vom Löschzug Gefahrgut Plön, der die Marschkolonne aus insgesamt rund 200 Fahrzeugen anführt. Er will wie viele seiner Kollegen den Menschen helfen, die direkt vom Hochwasser betroffen sind – und dabei teils Haus und Hof verloren haben.

Helfen und lebensrettende Erfahrungen sammeln

Silke Petersen und Bert Hellwig vom DRK Niebüll helfen als Einsatzkräfte im Hochwassergebiet. Foto: Nortex

Silke Petersen aus Niebüll ist aktives Mitglied beim Deutschen Roten Kreuz. Sie sitzt in einem Einsatzwagen, der dann als einer der ersten aus Neumünster gen Süden aufbricht. Warum sie mitfährt? „Um zu helfen!“, so die kurze Antwort. Und die Strapazen? „Die überwindet man“, sagt die Niebüllerin. „Die Erfahrungen, die man bei so einem Einsatz sammeln kann, kann einem keiner mehr nehmen. Und später kann ich dieses Wissen meinen Kollegen, die zuhause geblieben sind, weitergeben.“ Petersen hat schon beim Hilfseinsatz während des Elbehochwassers geholfen; nun wird sie in Rheinland-Pfalz vor allem die Betreuung und Versorgung der Betroffenen und der Helfer mit organisieren.

Aufräumen mit schwerem Gerät

Florian Denß und Dominik Krüger (v.l.) sind Mitglieder der Feuerwehrbereitschaft in Nordfriesland. Sie wollen mit schwerem Bergungsgerät helfen. Foto: Nortex

Mit Winden, Motorsägen und schwerem Bergungsgerät wie hydraulischer Schere und Spreizer machen sich auch Kai Wichmann, Dominik Krüger und Florian Denß als Helfer auf ins Katastrophengebiet. Sie gehören alle zur Feuerwehrbereitschaft des Kreises Nordfriesland. Was sie vor Ort erwartet, wie sie konkret helfen können, wissen auch sie noch nicht genau. „Einfach aufräumen!“, vermutet Wichmann. Der Aufruf kam am Vortag um 20 Uhr, los ging es aus Bredstedt am nächsten Morgen um acht. Ihre Familien seien nicht begeistert gewesen – aus Sorge um ihre Väter und Mütter, Ehefrauen und -männer. Aber, so Krüger, jetzt gehe es schlicht darum, anderen in Not zu helfen: „Einer muss es ja tun.“

Ist Schleswig-Holstein im Katastrophenfall vorbereitet?

Ob der Einsatz ausgeweitet und möglicherweise verlängert werden müsse, bleibt laut Günther abzuwarten. Den eigenen Katastrophenschutz in Schleswig-Holstein sieht er derweil gut aufgestellt: Zur aktuellen Diskussion um eine Umstrukturierung und Modernisierung des Meldewesens im Fall einer Katastrophe sagte er, man müsse abwarten, was die Auswertung der Ereignisse der vergangenen Tage zeige.

Wer den vom Hochwasser betroffenen Menschen helfen und die Einsatzkräfte vor Ort unterstützen will, kann dazu auch spenden: Die deutschen Hilfsaktionen haben dazu das Internetportal www.aktion-deutschland-hilft.de eingerichtet.

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