Gemeinsam gegen Hass und Gewalt

Kiel. Der „Weiße Ring“ ist ein Verein, der deutschlandweit Opfer von Kriminalität unterstützt. Zum heutigen 30. „Tag der Kriminalitätsopfer“ warnt er vor einer Verrohung der Gesellschaft – als schleichender Gefahr für die Demokratie. In Schleswig-Holstein baten im Jahr 2020 rund 1500 Menschen den Verein um Hilfe: vor allem nach Körperverletzungen und Sexualdelikten.

„Hass schafft Opfer. Er beleidigt Menschen, bedroht sie, verletzt sie. Im schlimmsten Fall tötet Hass Menschen, das haben die Mordanschläge in Halle, Hanau und auf den Politiker Walter Lübcke gezeigt.“ Erst auf den zweiten Blick, teilt der „Weiße Ring“ zum 30. „Tag der Kriminalitätsopfer“ weiter mit, sei sichtbar, welch eine schleichende Gefahr für unsere Gesellschaft und Demokratie vom Hass ausgehe: Er dränge Politiker aus den Parlamenten, er verleide Bürgern das Ehrenamt, er sprenge Diskussionen im Internet.

Opfer schützen heißt Demokratie schützen

„Wer sich gegen Hass und Hetze stellt, betreibt aktiven Opferschutz“, sagt deshalb Jörg Ziercke, Bundesvorsitzender des „Weißen Rings“. „Er beschützt Menschen – und er beschützt gleichzeitig die Demokratie, die nach wie vor beste, sicherste und freiste Staatsform, die wir je hatten.“ Man müsse sich einer Verrohung der Gesellschaft gemeinsam entgegenstellen, fordert Ziercke.

Mit dem 30. „Tag der Kriminalitätsopfer“ am 22. März will der „Weiße Ring“ dafür sensibilisieren. In ganz Deutschland finden an diesem Tag Aktionen der rund 2.900 ehrenamtlichen Mitarbeiter des Vereins zum Thema „Hass und Hetze“ statt, auch im „Echten Norden“. Der Hass im Internet richtet sich oft gegen Minderheiten, etwa gegen Menschen mit Migrationshintergrund, Homosexuelle oder Behinderte. Auch Frauen sind Hass und digitaler Gewalt ausgesetzt, einfach weil sie Frauen sind.

1500 Schleswig-Holsteiner suchten Hilfe

Dagegen haben die 180 ehrenamtlich Mitarbeitenden des „weißen Rings“ Schleswig-Holstein 2020 rund 16.730 Stunden aktive Opferarbeit geleistet. 1488 Menschen haben sich an den Verein gewandt, nachdem sie Opfer einer Straftat geworden waren. Gegenüber dem Jahr 2019 ist das ein Rückgang um 20 Fälle: Wie in den Vorjahren waren die Betroffenen in den meisten Fällen Opfer von Körperverletzungen (27 Prozent) und Sexualdelikten (24 Prozent).

Überwiegend Mädchen und Frauen betroffen

Mehr als 70 Prozent der vom „Weißen Ring“ betreuten Opfer sind Frauen und Mädchen. Davon ist ein großer Teil Opfer eines sexuellen Gewaltdelikts oder von häuslicher Gewalt. Wegen der Pandemie sind viele Opfer zuhause isoliert, hinzu kommt eine zunehmende wirtschaftliche und psychische Belastung. „In Zeiten von Kontaktbeschränkungen und Isolation ist es besonders wichtig, Opfern von Kriminalität schnelle und einfache Wege zu einer bedarfsgerechten Unterstützung aufzuzeigen“, betonte Manuela Söller-Winkler, Landesvorsitzende des Vereins in Schleswig-Holstein.

Hilfe gegen Stalking und Enkeltrick

An dritter Stelle in der Statistik stehen die Stalking-Delikte – mit steigender Tendenz: Waren es im Jahr 2018 noch unter 1 Prozent der Fälle, sind es inzwischen bereits 11 Prozent. Diese Straftat ist sehr schwer nachweisbar, die Dunkelziffer dürfte entsprechend hoch sein. Um mehr Opfern helfen zu können, hat der „Weiße Ring“ daher  die „NO STALK“-App entwickelt: Sie kann kostenfrei auf https://nostalk.de/ heruntergeladen werden. Mit ihr können Betroffene das Stalking beweissicher dokumentieren. Das ermöglicht der Polizei, früh einzugreifen und die Taten strafrechtlich zu verfolgen.

Besonders perfide: In der Corona-Pandemie nutzen Betrüger auch im Norden viele Gelegenheiten, sich auf Kosten ihrer Opfer zu bereichern. Dazu zählen unter anderem der Enkeltrick, der Adressenklau am Telefon, unseriöse Internet-Angebote beispielsweise für Online-Nachhilfe, ein angeblicher Home-Office-Support oder die Abzocke mit falschen Corona-Gesundheitsprodukten bis hin zu „Impfstoff-Paketen“. „Hier gibt der ‚Weiße Ring‘ Hilfestellung, wie die Maschen von solchen Betrügern zu erkennen sind und was im Schadensfall getan werden kann“, so Söller-Winkler.

Das Bild zu diesem Beitrag zeigt Prof. Jörg Ziercke, Bundesvorsitzender des „Weißen Rings“ (Foto: Christoph Soeder/WR).

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