Erfolgreich anders

In einer Welt, in der stets mehr virtuell stattfindet, kann das wirkliche Leben nur an Wert gewinnen. An manchen Orten wird das besonders deutlich – weil sie echt sind und ihren Charakter bewahrt haben. Nortex in Neumünster ist ein solcher Ort: Hier schlägt seit 60 Jahren das Herz für Bekleidung.


Neumünster. Damals wurde Bekleidung genäht, heute bietet das Modehaus eine einzigartige Auswahl an Marken, Größen, Passformen und einen kompetenten Service. Doch wie war es früher? Lernen Sie unser Modehaus, das in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag in Neumünster begeht, kennen – mit einem Blick zurück und nach vorn.

Kurz geht es noch weiter zurück – ins Jahr 1937, als die „Norddeutsche Textilgesellschaft“, kurz Nortex, von Richard Ohlhoff in Hamburg gegründet wurde. Wenig später zog der Betrieb nach Bad Bramstedt, fertigte dort Bekleidung für Damen und Herren. Das geschah während des Wirtschaftswunders mit solchem Erfolg, dass weitere Standorte im Land gegründet wurden.

So kam es, dass 1960 die Herrenkleiderfabrik in Wittorf, einem Stadtteil Neumünsters, entstand: „Nach den Sommerwerksferien ging es hier los“, berichtet Nortex-Geschäftsführer Dieter Ohlhoff. Der Grundstein war gelegt. Doch Stillstand bedeutet das nicht, im Gegenteil: „Das erste Gebäude hatte 1600 Quadratmeter, fünf Jahre später entstand das zweite Gebäude in gleicher Größe.“

Tweed und Popeline waren gefragt

Etwa 180 Mitarbeiter arbeiteten damals an den Nähbändern. Was produzierten sie? „Das waren vor allem Anzüge in klassischen gedeckten Farben, etwa Schwarz, Blau und Grün“, sagt Nortex-Geschäftsführerin Ingrid Först, „aber auch Tweed-Sakkos mit Karos oder Popeline-Blousons waren gefragt“.

156 Konfektionsgrößen gab es damals, weiß Ingrid Först zu erzählen; sie wurden sämtlich bei Nortex gefertigt. Das ist bis heute von Bedeutung: „Wir vergessen unsere Wurzeln nicht – wir kommen aus der Produktion und sind deshalb bis heute Spezialist für Größen und Passformen.“

1974 wandelte das Unternehmen die Produktion am Standort Grüner Weg in den Einzelhandel um. Grund dafür war die Konkurrenz aus Fernost, wegen der sich die Produktion nicht mehr lohnte. So verständigte man sich im Einvernehmen mit der Politik in der Stadt sowie der Landesregierung darauf, am Grünen Weg den Bekleidungseinzelhandel aufzubauen.

„Das Nortex Mode-Center ist die Zukunft!“, heißt es nun. Mit dem neuen Konzept geht ein klar definierter Anspruch einher: „Wir verstehen, wertschätzen und unterstützen die Menschen in ihrer Individualität“, so Ingrid Först. Ihr geht es darum, den Menschen zum Maß aller Dinge zu nehmen – und ihnen stets hochwertige Bekleidung in allen Größen und Passformen für jeden Anlass anzubieten. „Wir wollen erfolgreich anders sein hier in Schleswig- Holstein – und sind es auch“, so Ingrid Först.

Ein offenes und freundliches Menschenbild, der feste Bezug zu Schleswig-Holstein, der hohe Anspruch an sich selbst – das macht für Nortex- Geschäftsführer Kai Först den Nortex-Dreiklang aus. Dieser Dreiklang hat das Unternehmen bisher gut begleitet und auch in Zukunft wird er unvermindert Geltung haben. „Wir sind echte Schleswig-Holsteiner und viel näher dran an den Menschen als andere. Wir sind hier richtig verwurzelt“, macht er deutlich.

In der Praxis setzte Nortex dabei aufs Land – und ging auf die Wünsche der Dorfbewohner ein. „Als Nortex anfing, gab es im Handel mit Bekleidung starke Mitbewerber in den großen Städten Schleswig- Holsteins“, schildert Dieter Ohlhoff. In den Dörfern war es anders, dort gab es keine Bekleidungsgeschäfte.

Das Kalkül seines Onkels Richard Ohlhoff: Man müsse ein so spezielles Sortiment aufbauen, dass die Kunden dafür eine Fahrt von 20, 30 oder auch 50 Kilometern in Kauf nehmen. „So haben wir angefangen, unseren Kunden sehr viel Auswahl und auch große Größen anzubieten. Da sind viele gekommen, auf Empfehlung – und das ist bis heute so“, erläutert Dieter Ohlhoff.

Nach wie vor kommen Landwirte gern zu Nortex – und zwar nicht mehr nur dann, wenn im Land die Norla stattfindet, wie es früher der Fall war: In der Messewoche standen damals öfters Trecker vor dem Modehaus, während ihre Besitzer festliche Bekleidung einkauften.  

Wende und Mauerfall sorgen für Auftrieb  

Ab 1984 und in den kommenden Jahren wächst Nortex weiter. Es ist die Zeit der großen Modenschauen mit prominenten Stargästen wie etwa Cindy und Bert, Roland Kaiser und Howard Carpendale, aber auch Roy Black, Costa Cordalis, Nicole und Senta Berger. Hunderte Gäste aus Neumünster und ganz Schleswig-Holstein kommen jedes Mal, um Mode und Stars live zu erleben – farbenprächtige Highlights in der Unternehmensgeschichte, an die sich so manche Mitarbeiter bis heute gern erinnern.  

„Der Durchbruch kam damals mit der neuen Stadthalle in Neumünster“, schildert Ingrid Först den zunehmenden Erfolg der Modenschauen. Wenig später sorgt die Zeit der Wende in Deutschland, mit Mauerfall und schließlich der Wiedervereinigung, für eine besonders starke Nachfrage. Das gab Nortex großen Auftrieb – und trug zu einem weiteren Meilenstein in der Geschichte des Unternehmens bei: dem Neubau des Modehauses.  

Nortex-Geschäftsführer Uwe Schümann. Foto: privat

Doch vorher ist noch ein wichtiges Datum zu nennen: Am 1. Januar 1988 trat Uwe Schümann ins Unternehmen ein. Der Sohn von Richard Ohlhoff hatte bereits das Bauingenieurs-Studium abgeschlossen und machte den Wirtschaftsingenieur gerade dazu, als ihn die Anfrage erreichte. „Ich sagte zu. Meine Aufgabe war es, den Einzelhandel und insbesondere das EDV-Wesen voranzubringen“, so der heutige Nortex- Geschäftsführer. Zusammen mit den Abteilungsleitern habe man vieles neu aufgestellt im Betrieb. Sein Vater habe ihn eher „aus der Distanz beobachtet“, schildert Uwe Schümann heute: „Aber ohne mich lenken zu wollen. Sein Steckenpferd war die Werbung.“  

Bis Mitte der 1990er Jahre war das Modecenter in den früheren Produktionsräumen untergebracht. „Sie waren für die Fertigung gebaut und diesen Zweck haben sie erfüllt“, sagt Dieter Ohlhoff. Die Ware wurde zwei- und dreigeschossig angeboten. Man habe dieses etwas rustikale Flair akzeptieren müssen – „aber für den Handel brauchten wir andere Räume“.  

„Immer mit einem gewissen Pfiff!“  

Zwei Jahre wird geplant, zwei weitere gebaut – schließlich kann das neue Gebäude 1997 eingeweiht werden. Es ist die Geburtsstunde des zukunftsorientierten Modehauses, das bis heute Menschen aus ganz Norddeutschland und Dänemark anzieht. Jetzt kann die Ware erheblich kundenfreundlicher präsentiert werden: Mit viel Vorausblick eingerichtet, erleben die Kunden ihren Einkauf in einem zeitlosen, nachhaltigen und geschmackvollen Ambiente.

Zugleich bleibt alles funktionell – so lässt sich jede beliebige Stelle der rund 10.000 Quadratmeter großen Verkaufsfläche barrierefrei auf breiten Gängen, per Fahrstuhl und mittels einer Rolltreppe erreichen. Hinzu kommen geräumige Umkleidekabinen und ein ansprechend gestaltetes Café-Bistro mit 250 Sitzplätzen.

2012 kommt eine Neuheit hinzu: Schon damals hat Nortex die Zeichen der Zeit erkannt und bietet seither mit einer E-Tankstelle allen Kunden die Möglichkeit, kostenlos Strom zu tanken – und hält zudem zahlreiche komfortable, weil extrabreite Parkmöglichkeiten für die Besucher bereit.

Was macht Nortex für die Kunden so besonders? „Wir verkaufen Bekleidung, die sowohl für jeden Tag als auch für besondere Momente gedacht ist“, erläutert Ingrid Först, „und unsere Kunden und Kundinnen freuen sich einfach, bei uns Bewährtes in ihrer Größe zu finden und Neues zu entdecken“. Das funktioniere nach dem Nortex-Motto „Ankommen, wohlfühlen, zu Hause sein“. „Wir verkaufen Bekleidung, die immer mit einem gewissen Pfiff daher kommt!“, ergänzt Dieter Ohlhoff mit einem Schmunzeln.

Kai Först betont: „Wir akzeptieren jeden so, wie er ist. Mit unserer riesigen Auswahl an Passformen und Größen ziehen wir unsere Kunden an, sodass jeder einen individuellen Stil verwirklichen kann – ohne sich zu verkleiden.“ Es gehe darum, das Einkaufen zu einem durch und durch positiven, persönlichen Erlebnis zu machen, sagt er. „Und das können wir richtig gut. Unser Anspruch ist: Mit Nortex ist man immer sicher passend angezogen.“

Dafür steht im Sortiment des Modehauses eine breit gefächerte Auswahl mit 240 internationalen Markenherstellern in vielen Größen und Passformen bereit. Und zusätzlich ein perfekter Service: Dazu tragen mehr als 200 Mitarbeiter bei, die teils schon in vierter Generation „ihre“ Stammkunden freundlich und kompetent beraten.

Die Nortex-Geschäftsführung teilen sich heute Ingrid Först (Ein- und Verkauf Damenmode), Dieter Ohlhoff (Ein- und Verkauf Herrenmode), Kai Först (Vertrieb und Personal) sowie Uwe Schümann (Verwaltung und Organisation).