
Gekonntes Handwerk: Wie Björn Wagner den Naturstein-Boden bei Nortex saniert
Neumünster / Hamburg. Nortex einmal aus anderer Perspektive: Zwischen geschäftiger Kundschaft und stilvoll präsentierter Bekleidung sitzt Björn Wagner im Schneidersitz auf dem Boden. Ruhig mischt er Farben an, die auf einem Pappkarton wie eine Malpalette vor ihm liegt. Sein Blick ist auf den Boden gerichtet: edle Naturstein-Fliesen, von denen einige einen Riss aufweisen. Dafür ist er hier – er wird den Makel so gekonnt reparieren, dass er später kaum mehr zu erkennen sein wird.
Spannung ist nichts für Granit
Naturstein gilt als Sinnbild für Unvergänglichkeit. Doch selbst das härteste Gestein unterliegt physikalischen Gesetzen. „Ein Gebäude bewegt sich ständig“, erklärt Björn Wagner, während er mit einem kleinen Spachtel Farbnuancen abgleicht. „Wenn der Untergrund – meist der Estrich unter den Platten – arbeitet oder reißt, setzt sich dieser Druck nach oben fort.“ Das sei normal, so der Experte. Naturstein weise oft Risse auf, eben weil er ein Naturprodukt ist.

Seine Aufgabe ist es, diese Risse dauerhaft und unsichtbar zu verschließen. Was dabei zählt, lässt sich als Mix aus Präzisionshandwerk, Materialkenntnis und bildender Kunst beschreiben. „Die größte Herausforderung bei der Reparatur von Granit liegt in dessen oft sehr unterschiedlicher Optik“, erläutert der Experte. Während Marmor oft eine durchgängige Aderung aufweist, besteht Granit demnach aus einem Gemenge verschiedener Mineralien, die ein feines Muster aus dunklen, hellen und farbigen Punkten bilden.
Erfahrener Blick für Farben und Strukturen
Eine Einheitsfarbe würde hier wie ein Fremdkörper wirken. Björn Wagner nutzt deshalb seine Erfahrung, um mittels Grundfarben wie Schwarz, Weiß und Neutraltönen das genaue Kolorit des vorliegenden Steinmaterials zu treffen. Nach den Nuancen des vorhandenen Natursteins mischt er gelbliche, rötliche und orangefarbene Töne an. Jede einzelne Farbkomponente wird punktuell mit dem Spachtel in den Riss getupft.
„Man muss die Farbkleckse bewusst chaotisch hineintupfen, damit das natürliche Sprenkelmuster des Granits imitiert wird“, erklärt der Fachmann. Würde man die Reparaturmasse als homogenen Strich auftragen, fiele die Reparaturstelle nach dem Polieren sofort als künstlicher Makel ins Auge. Das Polyesterharz härtet nach rund 30 Minuten aus. Anschließend wird es geschliffen; am Ende ergibt sich so ein gekitteter Riss, der sich kaum mehr von seiner Umgebung unterscheiden lässt.
Björn Wagner führt sein Handwerk besonders umsichtig aus. Bereits seit 2008 arbeitet er in der Branche, gründete 2019 den Ulm Wagner Steinfußbodenschleifbetrieb mit Sitz in Hamburg. „In Hamburg und Umgebung sind wir viel unterwegs“, schildert er. „Viele Bauherren investieren in schöne Kleidung oder edles Interieur, aber beim Boden sparen sie. Dabei ist ein gepflegter, makelloser Naturstein das Herzstück eines repräsentativen Gebäudes.“
Im Modehaus Nortex zahlt sich die Mühe aus. Nach der Reparatur ist der Natursteinboden wieder makellos und widerstandsfähig für die kommenden Jahrzehnte. Die Arbeit, die der Handwerker geleistet hat, ist dann nahezu unsichtbar – und genau deshalb optimal gelungen.