Das „grüne Band“ des Nordens

Reinschnuppern, Klönen, Vielfalt bewahren: Die Aktion „Offener Garten“ feiert 25. Geburtstag

 Schleswig-Holstein. „Ein begrenztes Stück Land zur Anpflanzung von Blumen, Obst und Gemüse“ – so nüchtern erklärt ein Wörterbuch den Begriff „Garten“. Was darin in Wirklichkeit alles steckt, ist unendlich viel mehr: Für Gartenfans bedeutet das eigene Grün einen Kosmos voller Pflanzen und Tiere, voller Stimmungen und Gefühle. Hier können sie ihre Ideen mit Hacke, Schaufel und Schere umsetzen und sich danach bei einem kühlen Getränk in der selbst geschaffenen Idylle erholen.

Der Garten des „Haus Peters“ in Tetenbüll auf Eiderstedt nimmt ebenfalls an der landesweiten Aktion teil. Foto: privat/Offener Garten SH

Um die individuelle Vielfalt privater Gärten geht es bei der Aktion „Offener Garten Schleswig-Holstein“, bei der Gartenbesitzer im Norden ihre Refugien für Besucher öffnen: In rund 260 Gärten in Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen lässt sich Neues entdecken und Klönen, es werden jede Menge gute Tipps und begehrte Pflanzen ausgetauscht. Jedes Jahr nutzen Tausende Gäste die Gelegenheit, dieses „grüne Band des Nordens“ zu erleben – nun feiert das Projekt seinen 25. Geburtstag.

Zum Start 17 Gärten – heute sind es 260

Maike Heinatz und Sieglinde Thormählen (v.l.) freuen sich mit dem vierbeinigen „Gartenchef“ Sherlock auf viele Besucher bei der Aktion „Offener Garten“. Foto: Nortex

„Wir wollen Gartenbesitzer und Besucher zusammenbringen, dafür gibt es die Plattform des Offenen Gartens“, sagt Maike Heinatz, die zum Team gehört, das die Veranstaltung organisiert. Es gehe darum, die vielen Möglichkeiten zu zeigen, um ein Areal schön zu gestalten – und diese Erfahrungen mit möglichst vielen Gleichgesinnten zu teilen. Zu entdecken gibt es dabei stetig mehr: Während zu Beginn im Jahr 2000 erst 17 Gärten mitmachten, sind in 2024 bereits rund 260 Teilnehmende gelistet. „Dass das so ein Erfolg wird, hätte ich nicht vermutet“, so die Gartengestalterin aus Norderstedt. „Darauf sind wir stolz.“

Foto: Nortex

Ein wichtiges Anliegen ist ihr die Biodiversität. „Wir möchten die Vielfalt der Pflanzenwelt erfahrbar machen, denn manche Gärten verarmen geradezu in dieser Hinsicht“, erläutert sie. Zahlreiche heimische Pflanzen seien bereits in Vergessenheit geraten. Als Beispiel nennt sie die staudige Mondviole: „Eine tolle, sehr dekorative Pflanze, die mit ihren herzförmigen, großen Blättern und ihrer duftenden Blüte fast jede Zierpflanze in den Schatten stellt.“

Zahlreiche unterschiedliche Garten-Typen zu entdecken

Der Garten „Nick und Näther“ ist im Kreis Rendesburg-Eckernförde zu sehen. Foto: Offener Garten/privat

Im Rahmen der Aktion sind eine Menge verschiedener Garten-Typen zu entdecken, schildert Maike Heinatz. So heißen die Besitzer von Reihenhaus-, Landhaus-, Stadt- und Kleingärten, auch von Gemeinschaftsgärten, Rosen-, Kräuter- und Schattengärten Interessierte willkommen. Auch ein gedruckter Gartenführer liegt vor, gut geeignet, um sich eine individuelle Route für eine ganz persönliche „Gartenreise“ zusammenzustellen.

Insektenhotel am Gartenteich: Der Garten Schünke entfaltet seine Pracht in Hamburg. Foto: Offener Garten/privat

Was findet wann statt?

Neben dem Hauptwochenende am 15. und 16. Juni in ganz Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen sowie einem teilnehmenden Garten in Mecklenburg-Vorpommern sind mehrere Vorträge, Führungen und Workshops zu gärtnerischen Themen in mehreren Orten
geplant. Darüber hinaus gibt es Offene Sonntage, an denen etliche Orte besichtigt werden
können: Sie finden am 7. Juli, August, 1. September sowie am 6. Oktober statt.

Am Samstag, 3. August, wird von 19 bis 23 Uhr die „Lange Nacht der Gärten“ veranstaltet, an der 26 Gärten in den Abend- und Nachtstunden erlebbar sind – inklusive ganz anderer Eindrücke für Auge, Nase und Ohr als tagsüber: So lassen sich mit etwas Glück und scharfen Augen beispielsweise Fledermäuse und andere nachtaktiven Tiere beobachten.

Viele Gartenbesitzer bieten darüber hinaus weitere Besuchstermine nach direkter Absprache an. Kontaktdaten und Impressionen zu den einzelnen Gärten finden sich im Internet auf www.offenergarten.de. Weitere Infos sind verfügbar unter der Telefonnummer 0151/56 00 17 12.