„Bonbonmachen ist kein Zuckerschlecken!“

In der Kieler Manufaktur „Bonscherhus“ werden originelle Bonbons von Hand gemacht. Und zum „Langen Freitag“ am 19. April präsentiert das Team bei Nortex seine leckeren Produkte.

Kiel. Bonbons kennt und mag fast jeder. Besonders originelle Naschereien aus natürlichen Zutaten stellt das Team des „Bonscherhus“ her: In der kleinen, feinen Manufaktur nahe am Kieler Schloss können die Gäste live dabei zusehen, wie süße Drops, Lollis und Co entstehen – und die zuckerige Ware auch gleich kaufen. Zum „Langen Freitag“ am 19. April werden die leckeren und handgemachten Bonbons bei Nortex angeboten.

Foto: Nortex

Schon auf der Straße unweit des Kieler Schlosses riecht es verdächtig gut. Sobald man den Verkaufsraum betritt, leuchten einem die Bonbons in bunten Farben um die Wette entgegen. Sie sind in kleinen, durchsichtigen Tütchen verpackt, und es ist schwer zu sagen, was nun mehr Spaß macht: die lustigen Namen wie „Gartensause“, „Muschelschubser“ und „Schietwettertüte“ zu lesen oder sich über den ungewohnt frischen, puren Geschmack der Süßigkeiten zu freuen.

Kathrin Grahe-Bendler und Dirk Bendler im „Bonscherhus“. Foto: Nortex

Dahinter stecken in beiden Fällen Dirk Bendler und Kathrin Grahe-Bendler. Das Paar betreibt die Manufaktur seit 2018 in Kiel. Seither werden drei bis vier Mal am Tag frische Bonbons gemacht. „Wir haben beide Ideen, wenn wir uns neue Geschmacksrichtungen und danach Namen dafür ausdenken“, sagt Kathrin Grahe-Bendler mit einem Schmunzeln. „Das wird dann ausdiskutiert. Bei der Gartensause-Mischung sind zum Beispiel Apfel, Kirsche, Pflaume, Rhabarber und schwarze Johannisbeere dabei – alles Sachen, die man auch im heimischen Garten finden kann.“ Bei der Sorte „Weltenbummler“ seien dafür eher exotische Früchte zu schmecken.

Nur natürliche Zutaten im selbstgemachten „Bonscher“

Foto: Nortex

Die beiden verwenden ausschließlich natürliche Zutaten. Auch die rund 40 Aromen, die in Glasbehältern aufgereiht in der Bonbonküche hängen, zählen dazu. Es sei „schon sehr spannend“, wenn eine neue Kreation entstehe, so Dirk Bendler. Durch die Vielfalt der Aromen und ihre Kombination miteinander gebe es eine „unglaubliche Bandbreite an Möglichkeiten“. Wie kam der studierte Geologe zum Bonbon-Kochen? Er sei im Internet auf das Thema aufmerksam geworden, schildert er. „Ich habe ein paar Videos gesehen, in denen gezeigt wurde, wie das funktioniert und was alles dazu gehört. Und dann hat es mich einfach gepackt und ich dachte: ‚Boah, das ist toll, das möchte ich auch einmal können.'“

Foto: Nortex

Seither hat er sich sein Können komplett selbst beigebracht. Zu Beginn habe er viel experimentiert und daher auch typische Anfängerfehler hinter sich – Versuche mit Traubenzucker und Fruchtsäften anstelle von Glukosesirup und Aromen beispielsweise. „Da hat noch vieles nicht geklappt“, erinnert er sich heute mit einem Lächeln zurück. Doch er blieb dabei, eignete sich die Fertigkeiten der einzelnen Arbeitsschritte an, fand zu einer durchgetakteten, strukturierten Arbeitsweise. Die Ergebnisse wurden stetig besser, bis zu den professionellen Bonbons, die er heute produziert: Für Firmen und auch für den privaten Genuss entwirft er feinste Motive, etwa einen Anker oder einen Ostergruß.

Foto: Nortex

Über 150 Grad heiß ist die Zuckermasse, wenn er sie aus dem Kochtopf auf eine vorbereitete Fläche auskippt. Auf der glatten Granitplatte  kühlt sie ab, währenddessen arbeitet der Bonbonmacher als roten und schwarzen Farbstoff natürliches Holunderkonzentrat und Pflanzenkohle in zwei getrennte Batzen der Masse ein, außerdem Apfel- und Zitronensäure sowie als Aroma Johannisbeere. Er muss sich sputen dabei, denn die Zuckermasse kann nur warm verarbeitet werden. Jeder Handgriff sitzt, Fehler verzeiht das Handwerk – oder die Kunst, denn bei der Arbeit wirkt er wie ein hoch konzentrierter Maler – kaum.

Foto: Nortex

Dann beginnt das, nach dem Dirk Bendler sein Motto formuliert hat: „Bonbonmachen ist kein Zuckerschlecken!“ heißt es. Er wirft den fünf Kilo schweren Strang über einen Metallhaken an der Wand, zieht die Masse auseinander, flechtet sie wieder zusammen – und beginnt aufs Neue, wieder und wieder. Die anfangs noch dunkelrote Masse wird heller und heller, am Ende leuchtet sie kupferfarben. „Das kommt daher, weil beim Ziehen lauter kleine Luftbläschen hineinkommen“, erläutert der Experte. Dadurch ändere sich nicht nur das Aussehen, sondern der Bonbon bekommt auch einen leichten „Crunch“, der ihm mehr Biss verleiht.

Foto: Nortex

Als er fertig ist, formt er aus dem Riesenbonbon eine Art „Schultüte“, deren dünnes Ende durch eine kleine Kurbelmaschine wandert eine in Frankreich hergestellte „Berlingotière und dabei lauter Kerben erhält. Es sind Sollbruchstellen: Zu guter Letzt braucht der Zuckerbäcker die Stange nur noch etwas stärker auf die Fläche zu werfen – so entstehen bis zu 1500 kleine Bonbons, die in Tüten abgefüllt werden. Fertig! Ach ja, halt: Die Geschmacksprobe steht noch aus. Der noch warme Bonbon fühlt sich gut an im Mund, vor allem aber schmeckt er herrlich frisch und fruchtig, trotzdem mild.

Foto: Nortex

Die Motivbonbons beispielsweise mit einem Anker als Motiv entstehen ebenfalls in liebevoller Handarbeit, erläutert der Fachmann. Dabei werden die Muster per Hand in den Bonbon eingelegt und verschieden gefärbte Zuckermassen nach einem speziell ausgetüftelten Bauplan zu einem großen Bonbon zusammengesetzt. Dieser wird dann in lange, etwa fingerdicke Rollen gezogen und nach dem Abkühlen in kleine Bonbons gehackt – dann ist das eingearbeitete Muster gut zu erkennen. Die Magie der Entstehung dieser Art von Bonbons lasse sich allerdings schwer beschreiben, so Dirk Bendler, sondern sei am besten live vor Ort zu erleben.

Das „Bonscherhus“ in der Schloßstraße 19 in 24103 Kiel ist von Dienstag bis Freitag zwischen 11 und 17 Uhr, am Samstag von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Neben dem ständigen Angebot im Geschäft sowie in Supermärkten in der Region gibt es auch einen Onlineshop. Zusätzlich ist Bonbon-Machen im Rahmen von Kindergeburtstagen und Workshops für Jung und Alt möglich. Mehr Infos gibt es unter Telefon 0431/69 66 49 96 sowie auf www.bonscherhus.de.

Foto: Nortex

Schon gewusst? Interessantes rund um Bonbons

Die ersten Vorläufer der Bonbons sind bereits vor über 1000 Jahren hergestellt worden: In China, Griechenland und dem Römischen Reich naschte man bereits aus Honig gefertigte Stückchen, die Blüten oder Früchte enthielten. Einer Anekdote zufolge geht der Begriff Bonbon auf das französische „Bon“ für „gut“ zurück – „Bon! Bon!“ sollen die Gäste einer königlichen Hochzeit anno 1572 ausgerufen haben, als das damals sündhaft teure Zuckerwerk während der Feierlichkeit angeboten wurde. Das „Bonbon“ war geboren! Übrigens: Während der Fachbegriff Karamelle lautet, sagen die Norddeutschen lieber Bonscher dazu. In Mitteldeutschland heißt es Schnongse, in Dresden Mohler, im Süden Deutschlands und in Österreich auch Guzzi. Die Naschkatzen in Nordrhein-Westfalen schlecken gern Bombs, Brocken, Klömpkes oder Kamellen; die Hannoveraner wiederum Bollchen, und in der Schweiz werden Bummeli genossen.