Eine Liebeserklärung an Sylt

Reich und berühmt sind sie bisher nicht geworden – aber eingefleischte Sylt-Fans: Andreas Fleck und Thomas Nauert lesen am 19. Juni bei Nortex aus ihrem Buch „Sylt im Reizklima“

Neumünster. Es ist ein Hingucker: Eine badende Blondine ziert das Cover des Buchs „Sylt im Reizklima“. Halb wird sie von einer Brandungswelle „verschlungen“. Ganz klar, es ist Sommer an der Nordsee! Geplanscht wird textilfrei an einem der FKK-Strände, wie sie früher gern genutzt wurden. „Heute ist es dort leerer, dafür sind die Menschen selbst umso voller“, sagt Thomas Nauert bissig: Gemeinsam mit Andreas Fleck hat er das Motiv ausgesucht, gemeinsam haben sie die knapp 100 Berichte und Gedichte darin verfasst.

Die Idee dazu kam den beiden Freunden 2019, ein Jahr lang arbeiteten sie daran. „Wir wollten endlich reich und berühmt werden“, sagen sie mit einem Schmunzeln. Eben wie die Promis auf Sylt. Ob das gelungen ist? Vergnügtes Kopfschütteln. Die Pensionäre leben mit ihren Familien auf dem Festland. Sicher ist nur: Sylt zieht sie seit Jahrzehnten regelrecht „magisch“ an – Flecks Eltern lebten in Hörnum, dort im Urlaub sind viele der Texte entstanden. Am 19. Juni werden sie im Rahmen einer Lesung bei Nortex vorgetragen. Los geht’s ab 17 Uhr, der Eintritt ist gratis.

Das Buch „Sylt im Reizklima“ ist 2023 im Engelsdorfer Verlag erschienen; es hat 130 Seiten und kostet 14,80 Euro. Foto: Nortex

„Eine etwas hinterhältige Liebeserklärung an die Trauminsel der Deutschen“, so beschreiben die Verfasser selbst ihr Buch. Dabei komme dem Wort „Reizklima“ im Titel gleich mehrfach Bedeutung zu, erläutert Andreas Fleck. „Die Insel ist so voller Reize, dass man wunderschön darüber dichten kann“, findet er. Es gebe unglaubliche Widersprüche auf Sylt – zwischen dem Anspruch und der Wirklichkeit der dort lebenden Einheimischen, zwischen Zugvögeln, die still über den Himmel ziehen, und Bars mit lauter Musik. Thomas Nauert nickt dazu: „Für mich ist die Vielfältigkeit der Natur auf Sylt einmalig. Und die Tatsache, dass man weite Wege über Strand und Land zurücklegen kann, gern barfuß, ohne anderen über die Füße zu laufen. Das erzeugt ein Gefühl von Freiheit, eine absolute innere Ruhe.“

Neben den schönen Aspekten, die die Insel ausmachen, spart das Buch keineswegs die Schattenseiten aus. Gefragt, was die Insulaner aktuell bewegt, nennt Andreas Fleck das Schicksal der Insel als Tourismusort – und hier beispielsweise das Gerangel um teils illegale Ferienwohnungen viele Sylter. Auch für Thomas Nauert hat die Insel beim Tourismus eine Grenze erreicht:  „Sylt hat eine Million Besucher im Jahr, mehr verträgt die Insel nicht.“ Derzeit gingen viele Bezugspunkte für die Menschen dort verloren – eine Kneipe zum Beispiel, die über viele Jahre zum Treffpunkt geworden war, nun aber kurzerhand aufgegeben wird.

Thomas Nauert und Andreas Fleck (v.l.) haben ein Buch über ihre Lieblingsinsel verfasst – am 19. Juni lesen beide daraus bei Nortex. Foto: Nortex

Dann ist da der Klimawandel, ein ernstes Thema; der Anstieg des Meeresspiegels bedroht die Insel existenziell. Die Keitumer Kirche stehe auf dem höchsten Punkt Sylts, sie würde zuletzt vom Wasser erreicht. „Mit dem Gedicht ‚Morsum und Gomorrha‘ schließen wir meistens unsere Lesungen“, schildert Thomas Nauert. „Darin wird beschrieben, was der Insel blüht, wenn es so weitergeht: dann freuen sich nur die Surfer.“ Es ist ein Beispiel für den trockenen, mitunter zynischen Witz, der sich wie ein roter Faden durchs Buch zieht.

Doch ebenso blitzen zwischen den Zeilen und im Gespräch Begeisterung und unbedingte Zuneigung für die Insel auf. Zum Beispiel, wenn die beiden Freunde von ihren Lieblingsplätzen schwärmen. Ein Geheimtipp mag für manche der „Lister Dünenbalkon“ sein, der sich hinter der Jugendherberge befindet und von dem aus sich die große Wanderdüne bestens beobachten lässt. Thomas Nauert: „Das war ein erhebender Moment, daran denke ich sehr gern zurück. Der Ort ist sehr empfehlenswert, viele gehen daran vorbei.“  Andreas Flecks schönster Fleck auf Sylt ist eine lauschige Bank nahe der Haupttreppe am Hörnumer Hafen. „Dort stehen im Sommer immer zwei Strandkörbe; Tommy und ich gönnen uns dort zum Sonnenuntergang dann einen schönen Roten.“

Mehr Informationen zum Buch „Sylt im Reizklima“ finden sich im Internet auf www.sylt-im-reizklima.de, dort kann auf Wunsch ein Exemplar bestellt werden.